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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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507
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Erklärung und Würdigung der einzelnen Symptome. 507

Merkwürdig ist, dass da, wo man Fieber oft am meisten erwartensollte, solches gar nicht auftritt, z. B. bei arg stinkendem Wochenfluss.Dann wird eben von den fötiden Lochien gar nichts resorbirt.

Von grösster prognostischer Bedeutung ist der Puls. Im allge-meinen muss ich gestehen, dass ich von besonderer Verlangsamung desPulses der Wöchnerinnen hier und anderswo nicht viel gesehen habe.Die gesunde Wöchnerin hat durchschnittlich die Pulsfrequenz, die siesonst im Leben hatte. Ich fand durchweg 7288, selten weniger.Steigt die Pulsfrequenz stark an, wird die Welle klein, weich und leichtzerdrückbar, so hat dies eine sehr schlimme Bedeutung. Bei Steige-rungen über 120 steht es schlecht, bei 140 wird selten noch eine Ge-nesung kommen, es sei denn, dass diese Beschleunigung nur ganzvorübergehend ist. In der Regel treten solche oder noch höhere Zahlenerst vor dem Erlöschen des Lebens auf.

Der Wochenfluss verhält sich ganz inconstant zur Bedeutungder Krankheit. Ein gewisser Geruch nach Fettsäuren ist dem Wochen-fluss immer eigenthümlich. Wird er ausgesprochen stinkend, so istnoch keineswegs eine schwere Krankheit oder eine hohe Gefahr vor-handen. Bei den bedenklichsten Affectionen ist der Wochenfluss nichtübelriechend. Zwar gilt als Erfahrungssatz, dass im Fieber die Lochienzurückbleiben. Es ist dies wohl noch ein Erbtheil aus der Stasen-und Krasenlehre, die durch mangelhafte Beobachtung und Verallge-meinerung solcher Beobachtungen entstanden ist. Richtig ist es zwar,dass bei Stauung der Lochien Resorption derselben und Fieber eintritt.Aber das geschieht nicht vice versa, dass wegen Fiebers resp. Infectiondie Lochien spärlicher werden. Jedesmal war bei der Anwesenheitvon Microorganismen im Uterus die Lochien-Absonderungdaselbst reichlicher bezw., wo mehr und besonders dünn-eitrigesSecret aus dem Uterus herauszusaugen war, fanden sich regelmässigMicroorganismen darin vor (Döderlein).

Die Schmerzen sind fast ausschliesslich abhängig von der Be-theiligung des Peritoneum an der Entzündung. Die Phlebitis z. B.,die, wenn sie einmal sicher diagnosticirt werden kann, fast ebenso sicherzum Tod führt, kann ganz ohne Schmerzen verlaufen.

Die lymphangitischen Erkrankungen hingegen und die acute peri-toneale Septichämie, wobei sich in der Bauchhöhle rasch ein Ergussbildet, gehen fast immer, theilweise sogar mit qualvollen Schmerzeneinher. Der Schmerz wird durchweg im Unterleib geklagt. Bisweilenwird auf einer beschränkten Stelle des Unterleibes, einhergehend miteinem Schüttelfrost, der Schmerz plötzlich äusserst heftig, so dass dieKranken laut aufschreien. Das sind Fälle, in denen das Ansetzenvon 812 Blutegeln und sofortige Anwendung der Eisblaseauf die betroffene Stelle oft überraschend geschwind dieSchmerzen beseitigt. Man wird nicht fehlgehen, diese isolirten,begrenzten Schmerzgebiete als Perimetritiden zu bezeichnen. Ohne unsan die schwierige Aufgabe zu wagen, eine Erklärung für die localeBlutentziehung zu geben, steht die Thatsache ausser Frage, dass hiebei