bei Erkrankung an Puerperalfieber. 505
Im allgemeinen ist die Entzündung des Peritoneum und der Abdominal-organe relativ am leichtesten zu erkennen. Entweder findet sich Eiter oder fibri-nöse Ausschwitzungeh oder doch ein glanzloses mattes Aussehen des Peritoneum,von dem mit dem Messerrücken ein eitriges Secret abzustreifen ist.
Die in der Bauchhöhle liegenden Organe, obenan die Darmschlingen,sind selbstredend bei der diffusen Peritonitis immer mit betheiligt. Ebenso liegenauf der Leber, der Milz u. s. w. dieselben Ausschwitzungen. Das Drüsengewebeder Leber ist in trüber Schwellung. In der Milz finden sich bisweilen Infarcte,in den Nieren weisse Streifen in den geraden Harnkanälchen, sonst auch hiertrübe Schwellung etc. etc.
In der Brusthöhle findet sich bisweilen, jedoch weit seltener als in derBauchhöhle, ein eitriger, flockiger Erguss oder doch fibrinöse, leicht abstreifbareMembranen.
Sehr wichtig ist der Befund der Lungen. Abgesehen von der hypo-statischen Pneumonie, die nach lang dauernder Agone fast immer mehr oderweniger ausgesprochen besteht, sind häufig ausgedehnte Verdichtungen des Lungen-gewebes durch Embolieen, Infarcte mit grossen Erweichungsherden vorhanden.
Am Herzen handelt es sich um die Entzündung des Herzfleisches und desEndocards. Die Myocarditis ist an der blassgelblichen Färbung durch fettigeDegeneration mit weissen Inselchen zu erkennen.
Eine hervorragende Bedeutung hat die Endocarditis. Meist handelt essich um die Endocarditis ulcerosa. An den Klappen bilden sich oberflächlicheAuflagerungen. Nach dem Wegstreifen derselben liegt das glanzlose und etwasausgehöhlte Endocard zu Tage. Es sind also die Auflagerungen nur mit Substanz-verlust abzustreifen. Auf diesen schlagen sich leicht Blutpartikelchen nieder, zer-bröckeln und senden ihre Theile in alle Organe des grossen Kreislaufs. Ich habewährend einer grossen Puerperalfieberepidemie im Jahr 1874 eine ganze Zahl vonschweren Embolieen beobachtet. Es betraf im einen Fall die Milz. Die Embolieresp. der Infarct konnte an dem fixirten heftigen Schmerz in der Milzgegenddiagnosticirt werden und bestätigte sich post mortem. Ein andermal traf es dieArt. ophthalmica und es folgte plötzliche Erblindung, ganz rasch Trübung undVereiterung 'des Bulbus. Die Kranke starb, ehe die gleiche Affection auf demzweiten Auge zur Entwicklung gelangen konnte. Auch in der Arteria cruralissah ich eine Embolie entstehen. Die Kranke begann über heftigsten Schmerzenförmlich zu rasen. Ich habe nur zweimal gleich schauerliche Bilder gesehen, einenvon der Hydrophobie befallenen Menschen und jene Frau mit Arterienembolie desBeines. In dem getroffenen Schenkel war kein Puls mehr zu fühlen, das ganzeBein kühl und blass. Die Kranke starb unter fürchterlichen Qualen. Auch Ab-scesse ohne vollständige Gefässverstopfung können durch kleine Embolieen in allendenkbaren Organen entstehen. Es erübrigt noch einmal an die Gelenkent-zündungen zu erinnern. Im allgemeinen sind dieselben leicht zu diagnosticirenund leicht an der Leiche nachzuweisen. Doch macht man die Erfahrung nicht zuselten, dass trotz heftigster Klagen über ein Gelenk bei der Section kein Erguss,kein Eiter gefunden werden kann. Und doch kann das Impfen des Inhaltes derGelenkhöhle das Vorhandensein pathogener Mikroorganismen beweisen.
Endlich müssen wir noch der Erscheinungen an der Haut gedenken. Eskommen darauf massenhafte petechiale Blutungen und scharlachartige Exanthemevor. Die Angaben der Literatur machen den Eindruck, dass diese Ausschläge inEngland häufiger seien als bei den Epidemieen in unserem Land.
Specielle Symptomatologie.
Das erste, wichtigste und nie fehlende Symptom ist das Fieber.Beim vollständigen Mangel einer Erhöhung der Körperwärme ist dieseptische Infection bestimmt auszuschliessen. Allerdings setzt diese