504 Die pathologische Veränderung der einzelnen Organe
glatte Oberfläche und ist mit leicht getrübtem Schleim bedeckt. Der frisch puer-perale Uterus hat stets einen zottigen, fetzigen Belag, eine schmutzige Absonderungder oben bezeichneten Farben. Daraus allein lässt sich noch nicht erklären, dasses sich um Endometritis gehandelt und von hier aus die Infection erfolgt sei.Die Placentar stelle ragt knollig und buckelig in die Höhle der Gebärmutterhinein. Diese fetzigen Auflagerungen sind die Reste der Decidua, die schlechte Farbeist nur Leichenerscheinung., und die betreffenden Partieen sind während des Lebensgrauweiss gewesen, wie alle im Körper zur Abstossung kommenden Gewebspartien.
Erst wenn die schmutziggraue Färbung bei senkrechten Durchschnitten indie Tiefe der Muskulatur zu verfolgen ist, besonders wenn sich auch hier aus Ge-fässen oder den Gewebsspalten eitrig getrübte Flüssigkeit herausdrücken lässt, hatman ein Recht, die Placentarstelle oder die Risse im Muttermund und Cervicalkanalals Ansteckungsstellen zu bezeichnen.
In der Substanz der Gebärmutterwand sind sehr selten kleine Abscesse auf-zufinden; noch eher sind bei chronischem Verlauf Lymphgefässe oder Venenzu kleinen mit Eiter gefüllten Ectasien ausgedehnt. Dass die Eiterdepotssich in Gefässen befinden, ist an der glatten Wand zu erkennen.
An dem Peritonealüberzug der Gebärmutter finden sich entweder fibrinöseAuflagerungen und Verklebungen mit Darmschlingen, oder die Infectionsstoffesitzen unter demselben im lockeren Zellgewebe zwischen Muskulatur und Peri-toneum. Dafür gibt es zwei Lieblingsstellen, die oft etwas in Falten gelegte Partieüber der Cervix, bezw. dem unteren Uterinsegment und die Tubenecke. Am ersterenist die eitrige Infiltration gewöhnlich tiefer und von Cervicalrissen ausgegangen.An den Tubenecken sind es die durch Venen fortgeschleppten Infectionsträger.
Die breiten Mutter bänder durchziehen oft die mit Eiter gefüllten,gleichsam natürlich injicirten Lymphgefässe. Diese gelben Streifen werden deut-lich sichtbar gemacht durch das Abziehen des Bauchfelles. Sie gehen bis an dasOvarium und selbst in das Gewebe desselben hinein, und sind hinter dem Peri-toneum bis zu den nächstliegenden retroperitonealen Lymphdrüsen zu verfolgen.
Die Lymphgefässthrombose ist von der einen Seite als die grösste Gefahr,von Virchow mit Recht als ein besonderes Glück für die Befallenen bezeichnetworden. Gerade durch die Verstopfung der Lymphgefässe wird dem weiteren Vor-dringen der Infectionsproducte ein Damm gesetzt, und es kommt darunter zu einerLocalisirung, zu einer Abkapselung der Entzündung.
Auch die Venen der Ligamenta lata uteri können mit Eiterherden und theil-weise fester gewordenen organisirten oder in der Organisation begriffenen Thrombenerfüllt sein. Die Phlebitis kann in diesen dem Uterus zunächst gelegenen Venengeheilt und weiter gekrochen in Gefässen des Schenkels, ja von diesen aus, wieich es einmal gesehen habe, bis hoch in die Vena Cava inferior hinauf einenwandständigen, weissen, in Zerfall befindlichen Thrombus gebildet haben. In demselbst beobachteten Fall hatten zahlreiche Schüttelfröste im Lauf von vielen Mo-naten das tödtliche Ende herbeigeführt.
Von ganz besonderer Bedeutung ist der Befund der Bauchhöhle. Wennmassenhafte, fibrinöse Ausschwitzungen die geblähten Darmschlingen verkleben,ist der Befund sehr einfach zu deuten. Wenn sich aber nur wenige Unzen eineschocoladefarbenen, leicht flüssigen, übelriechenden Ergusses, ohne Verklebung vonDarmschlingen, nur mit leichter Trübung der Peritonealauskleidungen finden, wennsonst weder in Venen noch Lymphgefässen des Uterus oder der breiten Mutter-bänder eitrige Infiltration besteht, wenn nirgends grosse Risse oder Bindegewebs-spalten vorhanden sind, durch welche die rasche Einwanderung von Entzündungs-erregern denkbar war, soll dies auch eine Infection sein? Bis ein Gegenbeweisgeliefert wird, sind diese Erkrankungen als Ansteckungen zu betrachten, bei denendurch besonderes Missgeschick die Krankheitsträger gleich in die Bauchhöhle ge-schleppt wurden und dort eine rasch tödtende, jauchige Peritonitis veranlassten.Wir können im Vergleich mit der eben erwähnten jauchigen Bauchfellentzündungdie vielen fibrinösen Exsudate als eine mehr chronisch gewordene und darummit mehr Reaction seitens des Körpers verlaufene Entzündung bezeichnen.