Die pathologische Veränderung der einzelnen Organe. 503
die Stomata des Zwerchfells. Gerade wie beim Verlauf unter demPeritoneum Peritonitis, so wird in der Brusthöhle Pleuritis angeregt(vergl. hinten Abbildung aus Cruveilhier).
Dieser Form ist überhaupt das häufige Ergriffensein derserösen Häute und der Synovialmembranen eigenthümlich. Auchin den Bindegewebsmaschen um die Muskeln herum finden sich Ab-scesse. Die eitrigen Gelenkentzündungen zeigen sich am häufigstenim Schulter-, Knie- und Ellenbogengelenk. Nicht selten kommt Ery-sipelas hinzu.
Symptome. Hier beginnt nach unscheinbaren Vorboten dieKrankheit gewöhnlich mit einem Schüttelfrost am 3. oder 4. Tage,dann kommen hohes Fieber und die Erscheinungen einer Peritonitis.Verhängnissvoll sind hier besonders der Meteorismus, der Sin-gultus und das Erbrechen, weil dieses auf eine rasche Verallgemei-nerung der Entzündung deutet.
Die Pericarditis ist schwer zu diagnosticiren, weil sie geringesubjective Symptome macht. Die Dyspnoe wird dadurch verschlimmert;dieselbe ist aber gewöhnlich schon voran durch den Meteorismus sehrstark. Dann entstehen systolische Geräusche wegen Endocarditis ulcerosa.
Prognostisch hängt Alles von der Ausdehnung der Krankheit ab.Wenn sich eine Localisation der Entzündung wahrnehmen lässt, ist esein glückliches Zeichen. Durch die locale Abgrenzung entstehen danndie para- und perimetritischen Exsudate resp. Abscesse, die fast immerin Heilung übergehen.
Die pathologische Veränderung der einzelnen Organe.
Wenn wir auch in einem allgemeinen Ueberbliok das Wesen der patho-logischen Veränderungen und die Wege der Allgemeininfection gezeichnet haben,so müssen wir noch genauer die Betheiligung der einzelnen Organe berücksichtigen.Die grosse Mehrzahl der schwersten Erkrankungen endet in den ersten Tagen desWochenbettes mit Tod, ohne dass man in die Lage gekommen wäre, eine der dreioben genannten Formen zu diagnosticiren. Es kann jene Trennung nur den Zweckhaben, leitende Grundsätze für Stellung der Prognose und Therapie zu gewinnen.
Das Hauptgewicht ist natürlich auf die Veränderungen der Genitalien zulegen. In den schwersten Formen gerade der Epidemieen lässt sich an denäusseren Genitalien gar nichts bemerken. Bei Erstgebärenden finden sicham Scheideneingang flache Schleimhautrisse, meist mit einem schmutzig - gelbenbis braunen Belag bedeckt. Dieselbe Stelle hat im Leben grau-weiss ausgesehen.Die Umgebung der Risse und die entsprechende Seite der Schamlippen sind öde-matös geschwellt. Eine ganz besondere Aufmerksamkeit muss der Secirende aufdas hinter solchen Rissen gelegene Beckenbindegewebe richten. Wenn sich indemselb en Eiter findet, so waren die b et reff enden Stellen dieEingangspforten der Ansteckungsstoffe. Ja selbst eine sulzige, gequolleneBeschaffenheit der Bindegewebsmaschen, die sich höher hinauf verbreitet, machtden Ausgang der Erkrankung von da aus wahrscheinlich.
Noch wichtiger sind die Veränderungen an der Gebärmutter. DieInnenfläche ist in der früheren Zeit des Wochenbettes, selbst wenn die Betreffendean einer anderen Krankheit gestorben wäre, stets gelbbräunlich bis schmutzig-grün.Bei gynäkologischen Leichen hat die Schleimhaut eine blass rosarothe Farbe, eine