502 Die lymphangitische Form des Puerperalfiebers.
Schuld ausgeschlossen ist, als Puerperalfieber, bei dem ein gewissesOmen nahe liegt.
Eine eben so grosse Aehnlichkeit kann entstehen mit Wechselfieber.
Man halte bei Stellung der Diagnose an dem Grundsatzfest, dass eine Person, die erst im Wochenbett krank wurde,auch wenn die Symptome noch so sehr für irgend eine andereKrankheit sprechen, mit grösster Wahrscheinlichkeit an denFolgen einer puerperalen Infection darniederliegt. Nur danngestattet dieser Grundsatz eine Ausnahme, wenn die zwei ersten Wochenppst partum fieberfrei verlaufen sind.
Die Prognose wird meist für sehr schlecht angegeben, indem90 °/o der Fälle mit Tod enden. Das gilt gewiss mit vollem Rechtfür die sicher diagnosticirten Metrophlebitiden. Aber die Diagnoseist nicht so bald sicher zu stellen. Und im Anfang der Erkrankungbildet sich in diesen Fällen oft eine Abgrenzung und locale Ausheilung.Die Gefahr wird am grössten, wenn die Thromben weithin die Gefässedurchziehen.
Die lymphangitische Form (phlegmonöse Form).
Nach der kurzen Auseinandersetzung am Eingange dieses Kapitelswerden hier die septischen Keime durch die Lymphbahnen verschleppt.Mit den Lymphgefässen des Uterus steht das Cavum peritonei in con-tinuirlichem Zusammenhang und es erklärt diese anatomische Einrich-tung sofort die regelmässige Mitbetheiligung des Peritoneums.Treten gleich anfangs im Wochenbett septische Stoffe massenhaft indas Cavum peritonei ein, so bekommt man die acute septischePeritonitis zu sehen. Es ist diese wegen des rapiden Verlaufes vonder lymphangitischen Form zu trennen oder wieder besonders als acuteperitoneale Septichämie zu bezeichnen.
Wir haben unter dem Symptomencomplex der acuten Septichämiediese Form schon erwähnt.
Bei der gewöhnlichen lymphangitischen Form sind im Peritoneal-sack keine massenhaften Exsudationen. Diese lymphangitischen Er-krankungen können ausgehen von Rissen der äusseren Geschlechtstheile,der Vagina, der Vaginalportion u. s. w. Ueberall ziehen aus denBindegewebsmaschen Lymphgefässe weiter und schleppenvon den kleinen Verwundungen aus, den septischen Stoff inden Organismus. Neben den Rändern des Uterus, unter derSerosa, dicht verzweigte Netze bildend, verlaufen die Lymph-gefässe durch die breiten Mutterbänder zu den Ovarien u. s. w.Oft sind dieselben bei dieser Form des Puerperalfiebers soprall gefüllt, dass sie künstlich injicirt erscheinen. In ein-zelnen Strängen sind dieselben zu verfolgen bis zu dennächsten retroperitonealen Lymphdrüsen. Gewöhnlich ziehensie mehr nach der rechten Seite des Abdomens hin, verlaufen durch