Die phlebo-thrombotische Form des Puerperalfiebers. 501
Remissionen abwechselnden Schüttelfröste durch Embolieen aus einerMetrophlebitis eher eine Intermittens vortäuschen können.
Ob nun alle Fälle von Endocarditis ulcerosa hoffnungslos sind,muss doch in Frage gezogen werden. Zwar kann für jeden gut ab-gelaufenen Fall gleich von vornherein die Diagnose in Frage gestelltwerden. Doch wenn während einer schweren septischen Erkrankung,wo voran kein Herzgeräusch, keine beschleunigte Herzthätigkeit bestand,nach dem Vorübergehen eines Schüttelfrostes ein starkes systolischesHerzgeräusch gefunden wird und längere Zeit anhält, ist doch dieDiagnose einer Endocarditis gerechtfertigt. Solche Fälle habe ich aberheilen und dabei das Geräusch wieder verschwinden sehen. Neben derEndocarditis ulcerosa nimmt Virchow eine zweite Form an, wo an denKlappen verrucöse, polypöse Auflagerungen entstehen, die abbröckeln.Diese Emboli sind es, welche vorzugsweise in die Nieren, die Milz, indie Augenarterien u. s. w. fahren.
In einer sehr beträchtlichen Zahl von Fällen sind aber Embolieenüberhaupt nicht aufzufinden und die Kranken an den oft wiederkehren-den Schüttelfrösten und der Consumption zu Grunde gegangen. Manmuss hiebei annehmen, dass die zerfallenen Thromben — die Detritus-massen in den Kreislauf gespült wurden. Die Eiterdepots zu finden,von denen die häufig wiederkehrende Vergiftung des Blutes ausge-gangen, ist oft eine sehr schwere Aufgabe. Der gewöhnlichste Sitzist unterhalb der Tubeninsertion zwischen den Ligamenta lata, in denVenen des Plexus pampiniformis und in den Venen der Placentarstelle.Auch bei dieser Form kommen Gelenkentzündungen vor.
Symptomatologie. Der erste Frost, mit dem die Krankheitgewöhnlich einsetzt, kommt selten oder nie ohne Vorboten zu Stande.Vielmehr haben die Wöchnerinnen voran Entzündungen, etwas Fieberund erst nach Ablauf von einigen Tagen tritt der erste Schüttelfrostauf. Dieses letztere Symptom gestattet freilich noch nicht eine Dia-gnose auf die phlebitische Form zu stellen. Erst mehrere Wieder-holungen des Schüttelfrostes machen die Diagnose sicher. In 80 °/oerscheinen die ersten Schüttelfröste nach dem sechsten Tage, setzenmehr oder weniger häufig wieder ein und zwarjm Durchschnitt 6mal,um in 60 °/o erst in dem Collapsus vor dem Tode aufzuhören. Zwischenden einzelnen Ausbrüchen fällt die Temperatur ab. Aber auch mehrerefieberfreie Tage dürfen nicht sorglos machen, weil erfahrungsgemässeine Erneuerung der Schüttelfröste sehr häufig vorkommt.
Auf den Frost folgen Hitze und Schweisse. Die letzteren sindprofus und ermattend.
Durch die Embolieen können Entzündungserreger in ferne Organeverschleppt und dort Entzündungen angeregt werden. Kommen vielePfropfe in die Lungen, so kann im späteren Verlauf das Bild der Krank-heit so ausserordentlich viel Aehnlichkeit mit einer acuten Lungen-entzündung bekommen, dass man geneigt wird, von der ursprünglichgestellten Diagnose abzugehen. Die Verführung ist eine sehr grosse,im einzelnen Fall lieber eine Pneumonie anzunehmen, an der jede