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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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500 Die phlebo-thrombotisclie Form des Puerperalfiebers.

Uebergreifen des normalen Vorganges auf fremdes Gebiet der Fort-pflanzung der Tlirombenbildung auf die benachbarten Venen und derInfection der normal begrenzten Thromben. Es kann gelegentlich vonder Placentarstelle aus eine Gerinnung in den Venen sich bilden, eskann dieselbe bis zur Einmündung in die Vena iliaca, resp. V. cavareichen, es können dann die hervorragenden Partieen der Thrombengelockert, weggespült und in die Lungen geschwemmt werden unddadurch plötzlichen Tod bedingen, vielleicht ohne puerperale Infection.Todesfälle dieser Art kommen aber gewiss nur höchst selten vor.

Die wichtigste Frage ist die, ob solche Thromben eitrig zerfallen,wenn sie nicht inficirt sind, ob sie Phlebitis und Fieber machen. Nachden jetzigen Anschauungen muss man dies verneinen.

Dass die Entzündung des umgebenden Gewebes eine primäreEntzündung der Veneninnenwand und in der Folge Thromben in derVene machen könne, ist durch die Experimente Waldeyer's bewiesen.Nach Billroth kann aber auch die Compression der Venen durchdie entzündlich geschwellte Umgebung in erster Linie Venenthromboseauf mechanischem Wege machen.

Kommen zu den Venenthromben Infectionsstoffe hinzu, so bildetdies die phlebo-thrombotische Form des Puerperalfiebers. Durch dieeitrige Schmelzung und die Bröckelung der Thromben entstehen Em-bolien in die verschiedenen Organe.

Die Emboli finden sich gewöhnlich in den Lungen im unterenLappen, am hinteren Theile derselben. Nächst den Lungen ist amhäufigsten die Milz befallen. Nach Billroth soll dies an der ana-tomischen Lage der Art. lienalis liegen. In Nieren und Leber sindEmboli seltener zu treffen. Auch in die Gefässe des Hirnes und derAugen treten solche ein.

Hauptsächlich führt zur Entstehung von Embolieen die puerperaleEndocarditis. Wenn auch die Endocarditis ulcerosa, wo sieeinmal vorhanden ist, das Krankheitsbild und den Verlauf vollkommenbeherrscht, ist die Erkrankung des Endocards doch nur eine Theil-erscheinung der Allgemeininfection des Kreislaufsystems.

Wo bei einer septisch erkrankten Wöchnerin Herzgeräuscheauftreten, ist dies ein sehr beängstigendes Zeichen, wenn auchbesonders bei anämischen solche Geräusche auftreten können, ohnedass der Verlauf ungünstig endet.

Die Endocarditis ulcerosa zeichnet sich besonders aus durch mul-tiple miliare Embolieen. Da dieselben um der Gefässanordnung willenvom linken Herzen aus nach den Carotiden geschwemmt werden, sinddie Gehirnsymptome und die Embolieen in die Augen mit Netz-hautblutungen (nach Litten in 80°/o) Merkmale für diese Erkrankung.

Um der anhaltenderen Ueberschwemmung des Gefässsystems mitpyrogenen Stoffen willen ist die Temperatur constant sehr hoch, nicht soremittirend wie bei den Embolieen aus dem Venengebiet der Plexuspampiniformes und den Schenkelvenen. Darum gewinnt das Krank-heitsbild mehr Aehnlichkeit mit einem Typhus, während die so oft mit