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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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499
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Die septichämische Form des Puerperalfiebers. 499

Eindruck machen. Fieber kommt immer dazu. Aber das Verhaltender Körpertemperatur ist ein sehr schwankendes. Wenn auch dasThermometer nur zwischen 38,0 38,5° C. anzeigt, ist die Gefahr nichtweniger gross. Der Puls ist sehr frequent und klein. Je grösserder Contrast zwischen Puls und Temperatur, um so schlechterist die Prognose.

Unscheinbar kann also aus der Erschöpfung nach einer schwerenEntbindung das Bild der acuten Septichämie sich entwickeln und dabeider Schüttelfrost fehlen. Wenn ein solcher bei einem anders geartetenVerlauf gelegentlich auftritt, so kommt keine Wiederholung vor. Mul-tiple Schüttelfröste sind ein Symptom der phlebitischen Form undsprechen gegen Septichämie. Schweisse fehlen in der Regel.

Ein anderer Verlauf der septichämischen Form zeigt die höchstenSteigerungen der Körpertemperatur, bis zu 41 ° C. Dazu gesellt sichbald ein starker Meteorismus der Därme, Singultus, Erbrechen, Diar-rhöen, grosser Durst, vollständiger Mangel des Appetites, trockene,borkige. Zunge.

Es hat dieser letzterwähnte Verlauf die grösste Aehnlichkeit mitder septischen Peritonitis nach einer Infection in die eröffnete Bauch-höhle, wie man sie am deutlichsten nach Laparotomien sieht.

Das subjective Befinden ist bei den zwei Arten des Verlaufes ver-schieden. Bei der acuten septischen Intoxication verfällt die Krankesehr bald in grosse Apathie, so dass sie über nichts zu klagen weiss.Bei dem zweiten Krankheitsbild, das wir mit der acuten septischenPeritonitis verglichen haben, jammern die Kranken über heftigeSchmerzen im Leibe. Aber auch diese pflegen bald aufzuhören. DieEuphorie ist jedoch verdächtig, sie wird in kurzer Zeit von der Agonieabgelöst.

Die Prognose der septichämischen Form gilt als sehr schlecht.Doch glauben wir, dass gegen die reine septische Intoxication die in-trauterine Therapie sehr viel zu leisten vermag. Von der acuten sep-tischen Peritonitis werden freilich wenig Wöchnerinnen genesen.

Die phlebo-thrombotische Form (Metrophlebitis).

Erst V i r c h o w's Untersuchungen klärten das Verständniss derThrombose und Embolie auf. Schon in dem physiologischen Schlussder Placentarstelle besteht eine grosse Disposition zur Bildung aus-gedehnter Thromben. Dieselbe wird beschränkt durch kräftige Zu-sammenziehung der Gebärmutter und eine energische Circulation.

Sie entsteht also eher bei schlaffem Uterus, nach grossem Blut-verlust, bei marantischen, herabgekommenen Individuen. Die Aus-breitung der Thrombose wird ferner befördert' durch zurückbleibendePiacentarreste. Auch der Mangel an Klappen in den Vv. spermaticaebegünstigt die Ausbreitung der Gerinnung.

Doch ist die principielle Trennung festzuhalten zwischen dem