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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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497
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Die verschiedenen Formen des Puerperalfiebers. 497

Durch eine Uebertragung von keimungsfähigen Infections-stoffen entsteht die eine Serie, durch Resorption der während derKeimung sich bildenden chemischen Producte die zweite Serie vonPuerperalfieber (von Panum'das putride Gift", heute Ptomaine genannt).

Citiren wir ein Beispiel. Es wird angenommen, dass ein Finger,der mit faulendem Blute in Berührung war, bei einem bald darauffolgenden Touchiren die Fäulnissbacterien übertragen und dass diesenun in den Genitalien resp. in Genital wunden deponirt, eine Infectionmachen können. Der Terminus technicus Infection bedeutet aber, dassdiese wenigen Bacterien sich vermehren. Ihr Eindringen, ihr Wachs-thum und ihre Verschleppung im Körper machen die Wöchnerin krank.

Andererseits sind auch die Producte, die bei der Fäulniss ent-standen sind die Lösungen, welche durch Filtration von Zellen undKeimen vollständig befreit wurden, gefährlich. Wir können jedoch diesnicht mehr schlechtweg Infection, wir müssen es Intoxication nennen:denn dabei ist eine Zellenvermehrung im Blut und den Säften des Körpersausgeschlossen.

Ist eine Wöchnerin inficirt, so ist schon sehr oft die Erfahrunggemacht worden, dass von dieser aus das Kindbettfieber sehr leicht einerAndern übertragen wird, ja dass, je mehr die Epidemie um sich ge-griffen hat, der Wochenfiuss infectiöser wird.

Es drängt diese Erfahrung zu der Annahme, dass unter den vielerleiKeimen auf dem Nährboden der kranken Wöchnerin, einzelne sich massen-haft entwickeln, dass sich also leicht eine Specifität bilden könne, so dassdie Absonderungen der Kranken dadurch viel gefährlicher werden.

Wenn man die Züchtungsversuche der Botaniker vergleicht, so be-kommt man das Verständniss für solche Vermuthungen. Mit anderenKeimen, z. B. denen der Pilze, verhält es sich in Wirklichkeit so.

Die Intoxication mit den chemischen Producten der Zersetzung(Ptomaine) kommt beim Kindbettfieber ebenfalls vor. Sind z. B. in derUterushöhle grosse Blutgerinnsel zurückgeblieben und in Fäulniss ge-rathen, so sind die Bedingungen zur Jauchevergiftung gegeben.

Da, wo die Fäulniss schon während der Geburt existirt, ist die Ge-fahr dieser septischen Intoxication sehr gross.

Dieser Vorgang stimmt überein mit der Bezeichnung Ichorrhämie(Jaucheblutvergiftung) oder septichämischen Form des Puerperal-fiebers.

Für diese Giftstoffe gibt es, um in den Körper zu gelangen, zweiWege: die Venen und die Lymphgefässe. In das Arterienlumenist ein Eindringen, der Strömung wegen, nicht möglich.

Durch die Venen geschieht eine Vergiftung beim Eintritt von Jaucheund fauligen Zerfallsproducten sehr leicht und dabei entsteht, wie schonoben angegeben, die septichämische Form des Puerperal-fiebers. Eine andere Entstehungsart ist die, dass die Venen durchden Eintritt von inficirenden Keimen entzündet werden es bildet sicheine Phlebitis und in deren Folge eine Thrombose aus. Erstsecundär, beim Zerfall der Thromben, wird die Materia peccans weiter

Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 32