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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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496
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496 -Di e Bedeutung der Puerperalgesehwüre.

von Döderlein beschriebene, wo die Veranlassung des Fiebers durchein Puerperalgeschwür bewiesen wurde, haben wir seitdem mehrere be-obachtet und ebenso geprüft. Es fanden sich keine andere Infections-stellen, keine Brustdrüsenerkrankung und keine Microorganismen in denUterusiockien vor, dagegen Staphylococcus pyogenes aureus in der Scheideund auf den Puerperalgeschwüren.

Nun können recht gut von einem solchen Puerperalgeschwür ausweitgehende Zellgewebsentzündungen (Beckenphlegmonen) entstehen.Auch solche Fälle konnte ich genau verfolgen.

Die Puerperalgesehwüre müssen so bald als möglich in Behand-lung genommen werden. Früher hat man sie regelmässig mit demHöllenstein geätzt, was ganz zweckmässig war. Später wurde Salicyl-säure und Amylum (1:4) als Pulver aufgestreut. Neuerdings nimmtund empfiehlt man Jodoform und Chinojodin. Das erstere kannreichlich aufgestreut werden, weil es weder -ätzt noch schmerzt. Dasletztere ätzt und kommt zur Anwendung, wo man einen belegten Schorfrasch entfernen und frische Granulationen haben will. Jahre lang ge-brauchte ich Perubalsam, der gut wirkt, aber ebenfalls etwas brennt.

Nachdem wir drei Beispiele von Spontaninfection erwähnthaben, von denen gerade das erste Streptococcen in Uteruslochienbei Wöchnerinnen, die nie untersucht wurden hier öfters durch Unter-suchung nachgewiesen ist, müssen wir hinzufügen, dass bisher dieweit überwiegende Zahl der Spontaninfectionen einen sehrgünstigen, von Anfang an harmlosen Verlauf darboten. Nurausnahmsweise trat eine schwere wochenlange Erkrankung ein. DieseBemerkung ist dringend nothwendig gegenüber der Neigung, auch beischweren acuten Erkrankungen ein Versäumniss in der Desinfection be-mänteln zu wollen. Es betrachten Viele ihre Pflicht als erfüllt, wennsie die Hände einmal in eine Carbollösung tauchen. Bei Eingriffen kanntrotzdem von der nicht desinficirten Scheide, aus dem dort vorhandenenDepot eine Verschleppung, eine Ansteckung erfolgen. Uebrigens ist aufeinen neuen Gesichtspunkt aufmerksam zu machen. Es sind hier inletzter Zeit mehrere Fälle vorgekommen, dass Frauen, die von Niemanduntersueht wurden, Fieber bekamen und Streptococcen in den Uterus-lochien hatten, eingestanden, regelmässig und bis unmittelbar vor demEintritt in die Anstalt den Coitus ausgeübt zu haben. Solche habenfrüher als Selbstinfectionen gegolten, sind jedoch als Reinfectionen exdeposito zu betrachten. Eine gonorrhoische Infection war auszu-schliessen.

Der Uebergang der Ansteckungsstoffe in den Organismus.

Das eigentliche Kindbettfieber entsteht durch Einwanderungder Spaltpilze und ihrer Producte in den Gesammtorganismus.

Betrachten wir zunächst in kurzem Ueberblick die Entstehung undden Verlauf der infectiösen Wochenbettserkrankungen.