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Die Spontaninfection, Vonselbstangesteektsein. 495
Selbstverständlich kann nach dies"er Definition dies nicht Spontan-infection heissen, wo eine Schwangere bezw. Wöchnerin sich selbsttouchirte oder wo pathogene Keime in coitu durch den Penis in dieVagina gebracht werden.
Um den Begriff der Spontaninfection zu erläutern, nenne ich Bei-spiele. Das ist eine Spontaninfection, wenn eine Frau ohne in derletzten Zeit der Schwangerschaft touchirt oder sonstwie berührt zuwerden, erkrankt und die Uteruslochien Streptococcen nachweisen lassen.Da müssen wir annehmen, dass unter bestimmten vorläufig nicht zuergründenden Verhältnissen die Streptococcen aus der Vagina, wo sieschon normaler -Weise hausten, von selbst in den Uterus vordringenkonnten.
Als solche Verhältnisse sind zu vermuthen Einreiben oder Ein-treiben von Microorganismen beim Aufstehen, bei Körperbewegungen,Aspirationen der Vaginallochien seitens des Uterus, beim Husten u. s. w.Auch das ist eine Spontaninfection, wo Blutgerinnsel u. dergl. in derScheide liegen bleiben und dort durch septische Microorganismen inFäulniss gerathen. Dazu braucht es gar keiner Uebertragung, weilsolche Keime in der Vagina stets vorhanden sind und ihre Wirkungentfalten, sobald sie Nährmaterial finden.
Wie bei der offenen Wundbehandlung zeigen sich die Erschei-nungen von Fieber u. s. w. wegen gestörter Absonderung, zurück-gebliebenen Blutes gewöhnlich am 3. Tage. Sucht man durch sorg-fältiges Entfalten der Genitalien nach den Ursachen des Fiebers, alsonach gestautem Secret, Blut, so entdeckt man in der grossen Mehrzahlsogar in der Scheide, besonders im Scheideneingang, eine Veränderung,welche, sofort in Behandlung genommen, bis zum nächsten oder nächst-folgenden Tag das Fieber verschwinden macht. Wir haben uns, wennder Anlass des Fiebers nicht gleich am Scheideneingang kenntlichwurde, nicht gescheut, in seltenen Fällen durch sorgfältiges Entfaltender Scheidenwände auch den äusseren Muttermund sichtbar zu machenund fast regelmässig dort belegte Risse mit geschwollenen Rändern ge-sehen und mit Jodoform behandelt. Dieses Nachsehen kann und nmssso behutsam ausgeführt werden, dass es der Wöchnerin weder Schmerzenmacht, noch ein Aufreissen der in Granulation befindlichen Risse u. s. w.bedingt. Es kann nie schaden, wohl aber tausendmal nützen.
Endlich können auch oberflächliche Wunden, Dammrisse, Vulvar-risse, ohne Uebertragung durch fremde Hand, also z. B. durch Auffliegenvon pathogenen Microorganismen erkranken und muss auch dies un-bedingt als Spontaninfection erklärt werden. Solche belegteWunden (Puerperalgeschwüre), die besonders an der ödematösenSchwellung der kleinen Schamlippen bemerkbar werden, machenzwar häufig wenig Erscheinungen. Doch ist es sicher nicht richtig,dieselben als bedeutungslos hinzustellen. Wir ■ sind bei fortgesetzterBeobachtung in der Ueberzeugung bestärkt worden, dass Puerperal-geschwüre in der Regel Fieber veranlassen. Wir haben zu oftmit dem Schwinden des Belages das Fieber fallen sehen. Fälle, wie der