Pathologie des Puerperalfieber 491
Dass im Uterus fieberfreier Wöchnerinnen gar keine Spaltpilzevorkommen, liabe ich schon bei Besprechung des normalen Wochen-bettes erwähnt.
Gerade dass in vielen leichten Erkrankungen der Streptococcusgefunden wurde und zwar sehr häufig in Leukocyten eingeschlossen(Phagocytose) — im abgelaufenen Jahre wurde in meiner Klinik jedefiebernde Wöchnerin darauf untersucht — zeigt, wie von dem Ort, vonder Zeit des Wochenbettes und von der Menge der eingebrachten'Strepto-coccen die Schwere der Erkrankung abhängt.
Wir können gleich ein schlagendes Beispiel angeben. Es hatBumm darauf hingewiesen und es haben Impfungen in hiesiger Klinikvollkommen bestätigt, dass es eine Minderheit von Mammaphlegmonengibt, bei denen ebenfalls auf der Nährgelatine Streptococcen aus-wachsen, die in nichts von den anderen Streptococcen zu unterscheidensind. Wenn die Streptococcen, d. h. in Kettenform aneinandergereihteCoccen die bösartigen, meist tödtlichen Erkrankungen beim Puerperal-fieber bedingen, warum sind sie dann so harmlos im Mamma-Abscess ?Es bleibt nur die Erklärung übrig, dass entweder der Begriff Strepto-coccus nur ein allgemeiner sei, der weiter nichts als die Wachsthums-form der Pilze bezeichnet, wie z. B. Bäume, Sträucher, wobei einzelnenArten dieser Form ganz verschiedene Eigenschaften zukommen, so dasses darunter mehr oder weniger virulente gibt, oder es macht der Ortder Impfstelle den Unterschied aus. Ich glaube an das Letztere, ohnein Frage zu ziehen, dass Streptococcen mit verschiedener Virulenzund verschiedener Bösartigkeit existiren — ich glaube, dass die Ueber-tragung der gleichen Spaltpilze an den Genitalien sehr leicht dasschwere Verhängniss nach sich zieht, dass dagegen dieselbe Coccen-form in der Brustdrüse keine Gefahr bringt.
An den puerperalen Genitalien findet eine ungewöhnliche Rück-bildung und Resorption statt. Was hier eingeimpft wird, tritt alsbaldseinen Weg nach dem Gesammtorganismus an. Der Lymphstrom stehtin unmittelbarem Zusammenhang mit der Bauchhöhle u. s. w., die Venender inneren Genitalien gehen sofort über in die grössten Venen desKörpers. Alles ist darin bei der Mamma anders und man kann sichdenken, dass aus diesen Gründen die gleichen Mikroorganismen in denGenitalien leichter eine tödtliche Krankheit erregen, in der Brustdrüsedagegen relativ ohnmächtig sind und unschädlich gemacht werden.
Ein weiterer Punkt ist bei der Ansteckung an den Genitalien vongrösster Tragweite. Solche Zersetzungserreger, wie die verschiedenenCoccen und Stäbchen, finden nach schweren Geburten im Genitalschlaucheine Menge todter und im Untergang befindlicher Zellen. Das ist einvortrefflicher Nährboden für deren Wachsthum, aber eine ebenso ver-hängnissvolle Disposition zu schwerer septischer' Erkrankung für dieWöchnerin.
Damit hängt die Lehre der traumatischen Entzündung, welchefrüher viel besprochen wurde, zusammen .Wenn darunter verstandenwerden soll, dass durch ein Trauma, also einen heftigen Druck, Fieber