Die Veränderungen der Kopfgesehwulst. 481
auf Asphyxie (Oser und Schlesinger, Zweifel 1 ). Ist die Unter-brechung der Athmung auf einmal eine vollständige und wird die As-phyxie rasch hochgradig, so tritt auch bald die Lähmung ein. DerDarm contrahirt sich also rasch und energisch, aber er erlahmt bald.Nur ein Theil des Inhaltes wird vorwärts geschoben und auf halber Thatwird der Darm von der Lähmung überfallen. Dem entsprechend findenwir bei Fötus, die durch einen plötzlichen Druck auf dieNabelschnur sehr rasch zu Grunde gingen, den Dünndarmfest contrahirt und leer, im Dickdarm noch Meconium. Istaber der Tod langsam eingetreten, sind wiederholte Erstickungsanfällevorgekommen, so hat sich unter den wiederholten Reizungen derDünn- und Dickdarm vollständig entleert. Es zeigt also dieverschiedene Füllung des Darmes einen rascheren oder langsamerenFruchttod an.
3) Rasches Anwachsen und pralle Spannung der Kopfgeschwulst.
Die Kopfgeschwulst entsteht immer dadurch, dass ein Theil des Kindes untereinem geringeren Druck steht als der übrige Körper.
Dieser Theil befindet sich im eröffneten Muttermunde. Der Saum des letz-teren bildet die Grenze, oberhalb herrscht der intrauterine Druck in voller Stärke,unterhalb der als nichts zu taxirende Gegendruck der Vaginalwände.
Dem Arterienblute, das unter höherem Druck steht, vermag der Ring desMuttermundes den Weg nicht zu versperren, aber der Inhalt der Venen wirddurch diesen Ring gestaut. Die venöse Stase bedingt einen Austritt von Serumund Blut unter die Kopfschwarte, das heisst die Bildung der Kopfgeschwulst.
Wo sich das Hinderniss für den Rückfluss des Blutes vergrössert, der Druckin den kindlichen Arterien aber gleich bleibt, da muss die Kopfgeschwulst auffallendrasch wachsen und prall gespannt sein.
Ein plötzliches Weichwerden zeigt uns den Nachlass der Herzkraft an, istalso gleichbedeutend mit Tod oder Todesgefahr des Fötus.
Man kann dem raschen Wachsen der Kopfgeschwulst nicht gleichgültig zu-sehen, weil leicht der Blutaustritt ein grösserer wird, und das Oedem nicht aufdie Schädeloberfläche beschränkt bleibt, sondern das Gehirn und seine Häute mit-ergreift.
4) Blutungen aus der Haftfläche der Placenta.
Wenn auch ein massiger Blutverlust für das Wohlbefinden des Fötus gleich-gültig ist, da das abfliessende Blut den mütterlichen Gefässen entströmt, so wirdihm doch das Ablösen der Nachgeburt gefährlich. Ein jeder Cotyledo der Pla-centa, der sich von der Haftfläche getrennt hat, kann nicht mehr zur Athrnungdienen. Wenn sich also ein recht grosser Lappen — ein Drittheil derselben —gelöst hat, muss sich das Kind in einer ähnlichen Respirationsgefahr befinden, wieein Erwachsener, dem der dritte Theil der Athmungsfläche durch Entzündungu. dergl. für den Gasaustausch versperrt worden ist. Das Kind geht also beiBlutungen der Mutter, wenn das Blut aus der Haftfläche der Placenta stammt, anErstickung zu Grunde. Es gibt nur eine Gelegenheit, wo der wirkliche Ver-blutungstod den Fötus erreichen könnte: eine velamentöse Insertiondes Nabelstranges.
r ) Verdauungsapparat der Neugeborenen. Berlin 1874. p. 44.Zweifel, GeburtsMlfe. 2. Aufl. 31