480 Ursache der Verlangsamung der kindlichen Herztöne.
weglich sind und jeder Druck sich sofort auf den Schädelinhalt fortpflanzt. DieseAutoren nehmen aber -wiederum die Vermittlung des N. vagus zur Hülfe; auchnach ihnen soll der Hirndruck den Vaguskern mitbetreffen und Vagusreizung dieHerzverlangsamung machen. Man sollte nun allerdings meinen, dass Vagusreizungso wie so den gleichen Effect, aber auch im gegebenen Fall die gleiche Gefahrbedinge.
Der N. vagus ist nicht allein Hemmungsnerv des Herzens, sondern es kommtihm auch die Regulirung der Athembewegungen zu. Eine Reizung des Vagusmacht bei Apnoe eine Inspiration (den ersten Athemzug) und verstärkt bei der imGang befindlichen Athmung die In- und Exspirationen an Frequenz und Tiefe.
Da nun eine Reizung des ganzen Nerven sich ziemlich gleichzeitig über seinZerstreuungsgebiet verbreitet, müssen jedesmal beim Sinken der kindlichen Herz-töne vorzeitige Athembewegungen entstehen.
Den vorzeitigen Athembewegungen klebt nun ein so schlimmes Omen an,dass zwischen Theorie und Wirklichkeit ein grosser Widerspruch zu existirenscheint. Sehr oft beobachtet man ein wiederholtes Sinken der kindlichen Herz-töne während einer Geburt, und dennoch kommt das Kind ohne ein Symptom vonvorzeitigen Athembewegungen zur Welt. Aus diesen Gründen glaubte man dasSinken der Herztöne aus einer Ursache ableiten zu müssen, die nicht zu gleicherZeit Athembewegungen auslöse und kam so auf die Theorie vom Himdruck. Ganzgewiss kommt beides vor. Gerade das Verhalten des Fötus beim Nabel-schnurvorfall zeigt aber, dass der Puls sinken, ja das Kind nachweisbar intrauterinAthembewegungen machen kann, ohne einen Schaden, ja ohne ein Zeichen davon-zutragen, wenn es nachher wieder gelingt, den Druck auf die Nabelschnur zu be-seitigen. Und gerade der Druck auf den Nabelstrang und die sofort eintretendePulsverlangsamung beweisen eben so sicher, dass auf keinen Fall durch den Hirn-druck alle Fälle von Sinken der Herztöne erklärt werden können und dass inden meisten Fällen gegen die Erklärung durch eine Respirationsstörung kein trif-tiger Einwand erhoben werden kann. Die inspirirten Stoffe werden eingetrocknet,gelockert und ausgeworfen und deswegen trägt das Kind keinen Schaden von denvorzeitigen Athembewegungen davon.
Während der Wehen wird der Herzschlag langsamer und zwar schon beistehender Blase und während der Eröffnungsperiode. Hier ist von einem Druckauf den Kopf in einer Stärke, dass Hirndruck entstehe, kaum zu sprechen. — Diesmacht die Erklärung der regelmässig eintretenden Pulsverlangsamung durch Hirn-druck unwahrscheinlich.
2) Abgang von Meconium.
Es ist eine alte Thatsache, dass Kinder, welche ihren Darminhaltabgehen lassen, sich in Lebensgefahr befinden und meist asphyktischgeboren werden. Natürlich gilt dies aber nur für Kindeslagen, beidenen ein mechanisches Ausdrücken des Meconiums, wie z. B. bei denSteisslagen, ausgeschlossen ist.
Die Ursache für die Darmentleerung müssen wir wieder in derAnregung der entsprechenden Bewegungscentren durch das sauerstoff-arme resp. kohlensäurereiche Blut suchen. Asphyxie eines Thieres imExperiment bringt die Därme zu ganz energischen Contractionen. DieVermittlung geschieht auch für diese reflectorische Bewegung durchden Nervus vagus. Fasern von diesem Nerven treten in den Plexuscoeliacus ein, und wenn sie auch anatomisch nicht bis zu den einzelnenUnterleibsorganen zu verfolgen sind, so ist doch ihre Beziehung zumDünn- und Dickdarm festgestellt. Auf Reizung des Vagus treten Con-tractionen des Dünn- und Dickdarmes ein (Stilling, Remak), ebenso