478 Störungen von Seiten des Kindes.
langsamem!, aber niemals respirationserregend. Hautreize veranlassen nur beimasphyktischen Fötus Inspirationen. Für die vorübergehende Verlangsamung desfötalen Pulses während der Wehen ist nach Schwärtz der Hirndruck wahrschein-lich alleinige Ursache. — Schultze, B. S.: Der Scheintod der Neugeborenen.Jena 1871. S.'hält ein Absterben von Fötus an langsamer Asphyxie, ohne dassAthembewegungen ausgelöst werden, indem durch successives Herabsetzen derSauerstoffzufuhr die Erregbarkeit des Athmungscentrums in der Medulla oblongatasinkt, für möglich. Die Verlangsamung des fötalen Herzschlages am Ende physio-logischer Geburten will S. aus vorübergehender Asphyxie, herbeigeführt durchCirculationsstörungen in der Placenta während der Uteruscontractionen, ableiten. —Kehrer, F. A.: A.. f. G. 1870. Bd. I. p. 478. Die Apnoe der Neugeborenen u.Beitr. zur Geb. u. Gyn. Bd. LI. — Colinstein: A. f. G. Bd. IV. p. 547, machtauf die höhere Temperatur des Uterus aufmerksam. Da das Kind Eigenwärmeproducirt, beträgt die Temperatur im Uterus, so lange dasselbe lebt, 0,19° C. mehrals die der Scheide. Bei Wehen ist der Unterschied noch grösser. Diese Tempera-turunterschiede sind in praxi nicht zu verwerthen, vergl. noch die Lehrbüchervon Spiegelberg, 1. Aufl. p. 119, u. Schröder, 6. Aufl. p. 96. — Zweifel: A. f.G. Bd. IX. p. 301. - Runge: Z. f. G. u. G. 1881. Bd. VI. p. 395, gibt in allenPunkten eine Bestätigung der experimentellen Resultate der Arbeit von S chwartz. —Moxter: Therapie des Nabelschnurvorfalls. Aus Gusserow's Klinik. Diss. Berlin1882, empfiehlt vorzugsweise die Wendung. — Schatz: Ueber die schon in derSchwangerschaft zu stellende Diagnose der Nabelschnurumschlingung. C. f. G.1884. p. 684.
Diese Ueberschrift ist nur eine Umschreibung dessen, was mangewöhnlich als Indicationen oder Anzeigen bezeichnet.
Wir erwähnen zuerst die Indicationen von Seiten des Kindes,also diejenigen Geburtsstörungen, welche eine Gefahr für das kindlicheLeben anzeigen. Es sind dies:
1) Sinken und Steigen der Frequenz der kindlichenHerztöne.
2) Der Abgang von Meconium.
3) Rasches Anwachsen und pralle Spannung der Kopf-geschwulst.
4) Blutungen aus der Haftfläche der Placenta.
5) Vorfall eventuell auch Umschlingung der Nabelschnur.Wir machen bei der Abhandlung der entbindenden Operationen
einen Unterschied zwischen gewöhnlichen und dringenden Anzeigen. Esleitet dazu die praktische Rücksicht, dass man sich bei jeder Geburts-störung frage, wie viel man zur Abhülfe gegen diese Störung unter-nehmen dürfe. •
Gerade bei den Indicationen von Seiten des Kindes ist daraufhinzuweisen, dass man keine Operation unternehme, welche dem Kindunter den gegebenen Verhältnissen nichts mehr nützen kann.
Es ist also, um mit Beispielen zu kommen, ein entschiedenerKunstfehler, wenn man bei einem engen Becken, uneröffnetem Mutter-mund und hochstehendem Kopf die Zangenoperation machen wolltewegen Sinkens der kindlichen Herztöne; es wäre ganz ebenso zubeurtheilen, wenn man bei einer puls los vorgefallenen Nabelschnurnoch die Wendung und Extraction ausführen wollte.