476 Die Behandlung der Eklampsie.
Die Kinder schweben bei der Eklampsie in grosser Gefahr. Sieersticken bald durch die Cyanose der Mutter, bald wegen des starkenSinkens des Blutdruckes. Mehr wie die Hälfte derselben erliegt vordem Ende der Geburt und von Seiten des Geburtshelfers lässt sich nursehr wenig für die Rettung derselben thun. Sind dieselben leicht zuextrahiren, so wird, wie oben gesagt, immer entbunden; kommt aberwährend der Operation ein heftiger Anfall dazwischen, so können sienoch unter den Händen des Geburtshelfers ihr Leben verlieren. Beider Eklampsie ist die einzige Rücksichtnahme auf die Mutter die besteBehandlung für das Kind.
Inhaltsübersicht.
1) Mit Eklampsie benennt man allgemeine klonische Krämpfe,welche Schwangere, Gebärende und Wöchnerinnen befallen können. Imäusseren Bild gleicht der eklamptische Anfall dem epileptischen.
2) Als Ursache der Eklampsie wird eine Vergiftung des Blutesmit ■ Bestandteilen aufgefasst, icelche die allgemeine Reflexerregbarkeiterhöhen. Kommt eine Anregung hinzu, so entsteht ein Krampfzustandder Vasomotoren und in Folge dessen Bewusstlosigkeit und allgemeineZuckungen. Als vergiftende Substanz betrachte? man die zurückgehaltenenRarnbestandtheile.
3) Die Prognose ist stets ungeioiss und ernst. Gewisse Erschei-nungen, z. B. Anurie, Blut und Cgiinder im Urin, gestatten gar keineHoffnung auf Erhaltung des Lebens.
4) Die Behandlung erfordert die Einleitung der Chloroformnarkose,Einwicklungen, warme Vollbäder, ein Schwitzbett, zur Abwechslung mitChloroform Narcotica und eine möglichst beschleunigte, aber schonendeEntbindung.
Tympanites uteri (Putrescentia uteri).
Literatur.
Staude: Z. f. G. u. G. 1878. Bd". III. p. 191. — Hof nie i er: Ibid. Bd. V. p. 175.
Es ist dies ein neuer Name für eine altbekannte Sache — fürdie Fäulniss des Gebärmutterinhaltes. Wir haben es mit der echtenfauligen Zersetzung und ihren Producten zu thun — den fauligenGasen. Diese steigen in der Gebärmutterhöhle an die. höchstliegendeStelle auf, und die Percussion gibt an dieser Stelle einen tympa-nitischen Schall. Die Fäulniss entsteht nur nach Eröffnung der Ei-blase, gewiss nur auf Zutragen von Fäulnisskeimen. Die Erfahrung,dass die abgestorbenen Kinder Wochen lang im Uterus liegen können,ohne Gasbildung zu machen, ohne in faulige Zersetzung überzugehen,gibt eine Bestätigung für die obige Lehre ab.
Die Bildung von Fäulnissgasen hat als hauptsächliche BedingungenUebertragung von Fäulnisskeimen und eine genügend lange Dauer derGeburt. Der Inhalt ist natürlich zur Zersetzung geheigt. Da auch dieFeuchtigkeit und die Körperwärme eine rapide Ueberhandnahme der