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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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475
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Die Behandlung der Eklampsie. 475

geben werden dürfe, wo keine Disposition zu Lungenödem bestehe.Nach meiner eigenen Erfahrung und nach den Publicationen andererCollegen schafft aber Pilocarpin.diese Disposition, auch wo keine vor-handen ist. Pilocarpin ist ein gefährliches Mittel, das um derstarken Speichelsecretion willen rasch Lungenödem schafft. Dies sahich nach 0,01 (subcutan) eintreten.

Die Diaphorese ist sicherlich gerade bei der unterdrückten Nieren-ausscheidung sehr zweckmässig. Sie wird aber besser, besonders auchgefahrloser durch protrahirte heisse Bäder (28 und 29° R.) und nach-folgende Einwicklung in nasskalte Leinwand, Umhüllung mit. Woll-decken und ein Schwitzbett herbeigeführt. Wir stellen die Schwitzbettenin der Klinik so her, dass unter das Bett eine Spiritusflamme und damitdieselbe nicht entzünden kann eine Emailschaale voll Wasser darübergesetzt wird. Ueber die Kranke und das ganze Bett hinweg werdenwollene Decken ausgebreitet, die bis zum Boden reichen. Es ist frei-lich nothwendig, dass das Unterbett nicht vollkommen undurchdringlichsei; es müssen also die dicken Federbetten, Kautschukeinlagen u. dgl.heraus. Am dienlichsten ist ein lockerer Strohsack oder eine Rosshaar-matraze. Dass nach dem Verdunsten des Wassers gesehen werden muss,weil danach bei niedrigen "Betten Feuersgefahr eintreten könnte, brauchtkeine Erörterung. Es erzeugt dieses Schwitzbett eine ausserordentlichstarke Diaphorese (vergl. Literaturangaben).

Die geburtshülfliche Behandlung besteht bei dem Aus-bruch der Eklampsie in der möglichst raschen Entleerung desUterus, aber in der schonendsten Weise, um die Gebärmutternicht mechanisch zu reizen und dadurch neue Anfälle zu veranlassen.

Im allgemeinen ist darum jede Operation, die das Einführen derHand in den Uterus verlangt, contraindicirt. Natürlich gilt dies nichtfür eine Wendung, bei welcher die Blase noch steht, bei welcher derMuttermund ganz eröffnet ist. Wir haben in solchem Falle die Wen-dung mit Leichtigkeit und von bestem Erfolg begleitet ausgeführt.Eine Zangenoperation, welche den in der Scheide stehenden Kopf ex-trahirt, möchte ich auch nicht zu den mechanisch reizenden rechnen,dagegen schwere Wendungen, schwere Extractionen bei noch nichteröffnetem Muttermund etc.

Kommen die Convulsionen lange vor dem Ende der Schwanger-schaft, sind gar keine Contractionen zu fühlen, so ist es sehr frag-lich, ob die künstliche Frühgeburt eingeleitet werden soll oder nicht.Man bedenke wohl, dass die künstliche Frühgeburt gewöhnlich viel lang-samer von statten geht und dass die lange Dauer die Gefahr vergrössert.

Ein zweiter Grund für ein exspectatives Verhalten besteht darin,dass die Eklampsie noch während der Schwangerschaft zur Ruhekommen und die Geburt am rechtzeitigen Ende eintreten kann. Wodagegen die Schwangerschaft dem Ende nahe ist und besonders,wo sich Contractionen des Uterus zeigen, befördere man mit allenmilden Mitteln die Entleerung des Uterus. (Vergl. die Methoden zurEinleitung der künstlichen Frühgeburt.)