Die Erklärung der Eklampsie. 473
Eiweissverlusten und der gesteigerte Druck im Aortensystem in Folge der Hyper-trophie des linken Ventrikels Hirnödem (bei Nierensehrumpfung). Wenn einseröser Erguss in die Sehädelhöhle stattfindet, so muss ebenso viel Blut verdrängtwerden — durch diese Verdrängung entsteht Anämie der Gehirnsubstanz. Oedem,resp. Anämie im grossen Gehirn und in der Hirnrinde macht nach Traube dasComa; ein Oedem, das auch die Ganglien ergreift, Convulsionen.
Gerade weil die hauptsächlichen Bedingungen zum Zustandekommen derUrämie bei Schwangeren ebenfalls gegeben waren, wurde bald die Traube'scheTheorie der Urämie auf die Eklampsie übertragen (Rosen st ein). Auf alte undneuere Untersuchungen fussend, schreibt man der Schwangerschaft eine . Blut-alteration zu in dem Sinne, dass die festen Bestandteile verhältnissmässig zurück-treten gegenüber den flüssigen — dass das Blut verwässert werde. Der Druck imAortensystem steigt ebenfalls während der "Wehen sehr stark an. Was Traubevoraussetzte zum Zustandekommen urämischer Krämpfe, ist bei Kreissenden immergegeben. Der hauptsächlichste Einwand gegen die Richtigkeit dieser Theorie istdie Thatsache, dass alle Kreissenden die grösste Disposition besitzenwürden und doch nur ca. 1 von 500 die Eklampsie wirklich bekömmt!
Die Geburtsthätigkeit wird durch die eklamptischen Anfälle ge-wöhnlich nicht verändert. Selten werden die Wehen schlechter. BeiEklampsie in der Schwangerschaft kann ■ die Wehenthätigkeit baldfolgen. Es können aber die Krämpfe aufhören, der Organismus kannsich erholen und erst Wochen später die Geburt beginnen. Dass mandies eventuell als vorübergehende Urämie betrachten kann, habe ichschon angegeben. Das Kind kommt in solchen Fällen meist macerirtzur Welt, weil es erklärlicherweise durch die heftige Cyanose desAnfalles zu Grunde ging.
0bschon die Prognose stets ernst zu nehmen ist, so ist sie dochin den einzelnen Fällen ganz verschieden. Namentlich sind dies schwersteErkrankungen, wo die Anfälle vor der Wehenthätigkeit auftreten, raschauf einander folgen und wo fast kein'*, oder nur blutiger Urin abge-sondert wird, wie ich es selbst gesehen habe. Da ist die Aussichttrostlos.
Behandlung. Wenn man bei der Erklärung der Eklampsiedie Harnretention als hauptsächliche Ursache der Intoxication auffasst,muss auch der Schwerpunkt der Behandlung auf Vermehrung der Harn-excretion gerichtet sein. Man kann gelegentlich prophylaktisch behandeln. -Wo bei einer Schwangeren auffallend wenig Harn gelassen wird, wärees nothwendig, und ist es auf alle Fälle gerechtfertigt, Diuretica undDiaphoretica zu verordnen. Speciell zu diesem Zwecke zu nennen sindLiq. Kali acet., Benzoe- und Citronensäure. Den Druck, der auf demUreter lastet, zu beseitigen, ist nur durch die Entleerung des Uterusmöglich. Sind aber die Anfälle einmal ausgebrochen, so gilt es, dieunmittelbar drohende Gefahr zu bekämpfen.
Empirisch hatte man den Aderlass bei Eklampsie für gut be-funden. Auf Grund der Traube'schen Theorie, wurde er als nichtunschädlich in den Hintergrund gestellt. Eine Entziehung von V 2 ms1 Pfund Blut macht ein ganz bedeutendes Sinken des Blutdruckes. DieWirkung,, welche von so vielen Seiten bei der Venäsection gesehenworden, wurde von Munk-Rosenstein durch die Druckverminderung