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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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471
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Die Erklärung der Eklampsie. 471

weh, Schwindel, Angst und Unruhe, später Schlafsucht, tiefe Betäubungsind die Symptome der Urämie. Allgemeine Zuckungen kommen beidem Beginn der Urämie zwar vor; doch besteht im allgemeinen einUnterschied im Verlauf und in der Erscheinung der Krämpfe. Beginntder urämische Anfall z. B. bei einem Uteruscarcinom, das die Ureterencomprimirt, so können die Zuckungen den ganzen Körper durchtoben.Ist aber einmal ein Nachlass gekommen, so kehren ab und zu einzelneZuckungen wieder, bald im Gesicht bald anderswo; seltener aber sindes allgemeine Anfälle. Dafür überwiegt das tiefe Coma, das meistohne Unterbrechung fortdauert bis zum Tod. Ein Nachlass der Urämieist nur denkbar, wenn das Hinderniss, das der Urinausscheidung imWege steht, verschwindet.

Die Symptome der Eklampsie bestehen in den Krämpfen, dieperiodisch in bald kürzeren, bald längeren Zwischenräumen wieder-kehren, in dem Schwinden und Wiederkehren des Bewusst-seins.

Schon die Erscheinung der Eklampsie macht den Ein-druck, dass unter dem Einfluss einer Vergiftung die Reflex-erregbarkeit des Gehirns und der motorischen Centren ge-steigert und dass dann durch die Uterincontractionen dieAnfälle ausgelöst werden.

Nun lag von der Zeit an, als man im Urin Eklamptischer Albuminfand, die Vergiftung mit Harnbestandtheilen sehr nahe. Für eineRetention von Urin sprechen aber noch andere höchst wichtigeThatsachen, die man an Lebenden und«Leichen gefunden hat. Zu-nächst ist es eine längst hervorgehobene und oft constatirte Erfahrung,dass Eklamptische sehr wenig, oft keinen Urin zu lassen pflegen. DerHauptgrund ist aber die Dilatation der Ureteren, worauf zuerstHalbertsma hinwies, welche Erscheinung weiter verfolgt und alsein häufiger Befund in den Berliner Sectionsprotokollen von Löhleinconstatirt wurde. Bis der Ureter zu Fingerdicke ausgedehnt wird, wiees Löhlein mehrmals erwähnt, muss der Druck auf den Ureter langeZeit gedauert haben. Sicher macht auch ein rasch vorübergehenderVerschluss noch keine solche Dilatation. Dies ist zu berücksichtigen,wenn man Bedenken trägt, von 8 Fällen aus 32 einen allgemeinenSchluss zu ziehen; denn nur 8mal war bei Eklampsieleichen die Er-weiterung vorhanden. Andererseits geben wir auch Löhlein Recht,dass noch nie eine Erklärungsweise der Eklampsie sich bewahr-heitet hat und unzweifelhaft mehr wie eine Ursache oder Dispositionmitspielt. Schon mehrmals sind Krämpfe etc. ganz in derselben Er-scheinung aufgetreten und hat sich später eine Hirnkrankheit als Ur-sache herausgestellt.

Die Theorie der Eklampsie käme danach für die Mehr-zahl der Fälle wieder einem Standpunkt nahe, den man zuZeiten schon für überwunden hielt. Durch den Druck desUterus auf die Ureteren käme gelegentlich eine Stauungdes Harns, eine Behinderung seiner Ausscheidung zu Stande.