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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
469
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Die Symptome der Eklampsie. 469

der Geburt. Das Zusammentreffen zwischen Wehen und Eklampsiekann kein rein zufälliges sein. Dass ein causales Verhältniss zwischenbeiden besteht, ist höchst wahrscheinlich, weil durch mechanischeReizung des Uterus, wenn diese eine Contraction veranlasst, auchmomentan neue eklamptische Anfälle ausgelöst werden. Wie wir selbstmehrmals zu sehen Gelegenheit hatten, ist es in der Nachgeburtsperiodezu beobachten, dass auf eine Compression des Fundus uteri momentanein Krampfanfall folgt.

Als Vorboten, die aber keineswegs immer dem Ausbruch vorher-gehen, sind zu nennen: Kopfschmerzen, Uebelkeit, Schwindel, einzelneZuckungen, besondere Unruhe und Erregtheit.

Gewöhnlich beginnen die Anfälle unerwartet. Die Kreissende, diekurz voran noch besonnen gesprochen, verstummt plötzlich, legt sichsteif zurück und während der Blick eigenthümlich starr, das Augegläsern wird, beginnen die Zuckungen. Erst kommen die Gesichts-muskeln in Bewegung und sofort gehen die Krämpfe über auf dieOberextreniitäten, die zuckend hin und her fahren. Auch die Bumpf-und Athmungsmuskulatur wird in Mitleidenschaft gezogen. Namentlichwirken der veränderte Ausdruck und das blaue gedunsene Aussehendes Gesichtes entsetzenerregend auf die Umgebung. Zu dem unge-zügelten Mienenspiel im Gesicht gesellt sich bald eine krampfhafteKiefersperre. In der Action des Gesichtes und der Athemmuskeln liegtoft ein Bingen nach Luft, das aber erfolglos bleibt, weil ein geheimerBann die Coordination der Athembewegungen zu hemmen scheint. DieZunge kommt mitunter zwischen die halbgeöffneten Kiefer und wirdblutig gebissen. Zu den auffallendsten Erscheinungen gehört die livideFärbung des Gesichtes, die sich in wenig Augenblicken zur höchstenCyanose steigert.

Da die Cyanose überall als Folge einer mangelhaften Bespirationeintritt, muss es auffallen, wie wenig auf die Athmungsstörung auf-merksam gemacht wurde.

Die Dauer eines heftigen Anfalles muss deswegen eine begrenztesein; denn bei langer Athmungsunterbrechung würde sehr bald dieLähmung der Centren, also der Tod eintreten müssen. Ueber die Dauerdes eklamptischen Anfalles täuscht man sich leicht, weil derselbe einenso entsetzlichen Eindruck macht und weil bei dem Bingen zwischenTod und Leben alle Aufmerksamkeit absorbirt wird. Wir haben ge-legentlich mit der Uhr verfolgt und bei einem nicht enden wollendenAnfall 2 Minuten gezählt.

Das Wiedereinsetzen der Athembewegungen geschieht nicht immergleichmässig. In einigen Fällen beginnen dieselben mit einer tiefenInspiration, in anderen ganz unscheinbar und oberflächlich. Gelegentlichwird die Cyanose verstärkt, die Gefahr also vergrössert, weil die Zungenach rückwärts sinkt und auf den Kehldeckel drückt.

Das Bewusstsein verschwindet im ersten Augenblick. Nachdemdie Convulsionen aufgehört haben, kehrt es langsam zurück, aber einegrosse Benommenheit bleibt oft stundenlang.