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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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465
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Umstülpung der Gebärmutter. 465

Schon der Name allein sagt ziemlich genug, um sich eine Vor-stellung zu bilden. Es entsteht dabei eine heftige Blutung, weil diePlacentarfläche nach aussen gerichtet ist und die offenen Sinus durchdie Contractionen nicht geschlossen werden können.

Glücklicherweise kommen Umstülpungen der Gebärmutter nurselten vor. Doch ist gerade hiebei, wo so häufig ein fehlerhaftes Ver-fahren der Hebammen die Schuld trägt, eine Statistik aus Gebäranstaltennichts weniger als maassgebend. Wenn im Dubliner Gebärhause nur1 Fall auf 190,000 Geburten zu verzeichnen war, so ist der Verf. untereiner im Vergleich sehr kleinen Zahl poliklinischer Geburten zweimalwegen Inversio uteri in Anspruch genommen worden.

Aetiologie. Die Erschlaffung der Gebärmutter schafft die Dis-position, und der Zug am Nabelstrang macht die Umstülpung fertig.Wahrscheinlich kann auch ein forcirter Druck von oben eine Inversiouteri veranlassen. Dafür sprechen «Fälle, welche in Schmidt's Jahrb.Bd. 20. p. 183 referirt sind. In diesem letzteren Falle entsteht ersteine Delle, Deprässio genannt. Wirkt bei diesem Vorstadium derforcirte Druck in derselben Weise weiter, so wird aus der Ein- eineUmstülpung.

Aber spontane Inversionen kommen vor in Fällen, wo nicht dergeringste Versuch zur Lösung der Nachgeburt gemacht wurde (sieheSchmidt's ^ahrb. Bd. 20. p. 183 und Bd. 146. p. 248 und Literaturver-zeichniss). Auch beim Vorhandensein von Geschwülsten, die am Uterussitzen, ist die Umstülpung schon von selbst geschehen. Diese ver-mögen sogar ausserhalb der puerperalen Vorgänge Umstülpungen her-vorzurufen. Merkwürdigerweise ist ihr Vorkommen auch schon beiAbortus constatirt worden.

In dem einen Fall, zu dem ich gerufen wurde, hatte die Hebamme denUnfall sofort erkannt und auch selbst eingestanden, am Nabelstrang gezogen zuhaben. Die Placenta sass noch fest an dem in der Scheide vollkommen umge-stülpten Uterus. Die Blutung war sehr profus und die Kreissende bei meiner An-kunft beinahe verblutet. Selbst bei grosser Kraftanstrengung wollte mir die voll-ständige Reposition nicht gelingen. Das Corpus uteri wurde zum grössten Theilauf der einen Seite zurückgebracht, was mich veranlasste, zur Sicherung gegendie Blutung den Colpeurynter anzulegen. Nach Ablauf einer Stunde gelang dieReposition ohne Schwierigkeit. Es war kein Blut mehr abgeflossen.. Die Placentawurde nach vollendeter Reposition gelöst.

Die Frau bekam im Wochenbett Schüttelfröste, Thrombose der Vena iliacaund ging an einer Embolie der Lungenarterie plötzlich zu Grunde.

Von einem anderen Fall vernahm ich von Seiten der Hebamme, dass ein Ge-burtshelfer wegen einer heftigen Blutung in der Nachgeburtsperiode gerufen wurde,demselben aber die Stillung der Blutung nicht gelang und die Frau unter seinenHänden starb.

An der Leiche hatte sich die ganze Gebärmutter unigestülpt vor die Vulvagedrängt.

Es ist in diesem Falle möglich, aber durchaus nicht sicher, dass vollständigspontan, durch die Einwirkung der Bauchpresse allein, die Umstülpung post mortembewirkt wurde, und dies würde vollständig übereinstimmen mit den 6 Fällen vonInversio uteri, welche Reimann zusammengestellt hat. (Ueber Geburten nachdem Tode der Mutter, A. f. G. Bd. XL p. 215 u. ff.)

Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 30