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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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464
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464 Urnstülpung der Gebärmutter.

zur Pflicht macht, bei engem Muttermund, wo derselbe dem Durchgangdes Kindes Widerstand leistet, keine Gewalt anzuwenden, sondern etwaszu warten. Die volle Eröffnung kommt schon. Selbst das Kind ist indieser Lage noch zu retten, wenn man den Finger derart in dessenMund einführt, dass es bei Athembewegungen athmosphärische Luft in-spiriren kann. Die Bisse in der Scheide lassen sich durch schonende,aufmerksame Führung der Zange vermeiden (vergl. darüber die einzelnenOperationen in der Operationslehre).

3) Die Mittel zur Bekämpfung der Blutungen wegen Wehenschioächesind 1) Compression des Fundus uteri von den Bauchdecken aus, 2) eineCompression in künstlicher Anteflexionsstellung, 3) Scheiden- und Gebär-mutter-Ausspülungen mit kaltem oder heissem Wasser (nicht über 40° B.).4) Ausstopfung der Gebärmutterhöhle mit einem Jodoformgazestreifen.

4) Die Behandlung der inneren Gebärmutterblutung besteht im Aus-räumen und Wegspülen der im Cavum uteri angesammelten Blutgerinnsel.

5) Die Blutungen aus Cervixrissen stille man, wenn möglich, durcheine genaue Naht des Bisses, indem man die Gebärmutter in Steissrücken-lage vorzieht. Nur im. Falle der Unmöglichkeit der Naht darf man zurCompression des Bisses greifen, indem man zuerst reine Verbandwatteoder Jodoformgaze, äussersten Falles Eisenchloridwatte gegen die Becken-knochen drückt.

6) Die blutenden Bisse in der Scheide müssen immer genäht werden.

Nocli müssen wir einer Ursache zu heftigen Blutungen in derNachgeburtsperiode gedenken, nämlich der

Umstülpung der Gebärmutter (Inversio uteri).

Literatur.

Lee, Ch. A.: A Statistical inquiry into the causes etc. of Inversio. Amer.J. of med sc. Oct. 1860. Duncan: Contribution to the Mechanism of Partu-rition. Edinb. 1875- Chapt. XX. Hennig: A. f. G. Bd. VII. p. 491. Fürst:A. f. G. Bd. XX. p. 425. Howitz: C. f. G. 1881. p. 121. Simpson: Brit.med. J. 1881. Febr. 12. p. 230- Kocks: Berl. klin. Wochenschr. 1881. Nr. 33- Macdonald: Edinb. med. J. 1881. Sept. Atthill, L. (Dublin): Dubl. med.J. 1881. Juli p. 68. - Smith, Victor (Christiana): C. f. G. 1883. p. 89, spontaneEntstehung. Tambourer (aus Hugenberger's Anstalt, Moskau): Petersb. med.Wochenschr. 1882. Nr. 39, spontanes Entstehen beobachtet. Wherry: Brit.med. J. 1882. Nov. 4. p. 895, ebenfalls spontan entstanden. Milne Murray:Edinb. med. Journ. 1883. April, spontanes Entstehen und spontane gangränöseAbstossung, Heilung. Hofmeier: C. f. G. 1885. p. 57. Reeve: New Yorkmed. Journ. 1884. Octob. 11, p. 412, hält die (spontane) Entstehung selbst imVerlauf des Wochenbettes noch für möglich. Oft ist es schon beobachtet, dass diealarmirenden Symptome (Blutungen, Shok) fehlen können. Paul, M.: Ueberpuerperale J. d. Ut. Diss. Breslau 1884, erwähnt die Ausdehnung des Orific. ut.als hauptsächliche Wirkung des Colpeurynters. Pyhrenfurth: C. f. G. 1885.p. 801. Krukenberg: C. f. G. 1886. p. 17, hebt die Dehnung des äusserenMuttermundes als neues Verfahren hervor (vergl. die Publicationen von Howitzund Paul).