Blutungen aus Cervicalrissen. 461
spritzen aus der Vulva hervor. In anderen Fällen reicht die Kraft vonoben nicht aus, weil die Gerinnsel zu derb sind. Auch ist gegen einenschonungslosen Druck ernstlich zu warnen, weil die Kreissenden leichtunter dem gleichzeitigen Einfluss des grossen Säfteverlustes und desSchmerzes in eine tiefe Ohnmacht verfallen.
Von unten her könnte man durch das Einführen der Hand dieCoagula zertheilen und entfernen, besser geschieht dies aber mit einemSpritzenrohr. Hier, wie zu allen Einspritzungen bei Kreissenden, solleine Spülkanne (Irrigator) benutzt werden. Durch Hin- und Her-bewegen des eingeführten Rohres ist die Zertheilung mit mehr Schonungauszuführen, und durch den Wasserstrahl werden die kleineren Stückehinweggeschwemmt. Der gleichzeitige Druck von den Bauchdecken auswird fortgesetzt, bis die vollständige Verkleinerung und Entleerung desUterus gelungen ist. Der Anämie gegenüber findet immer die schonim allgemeinen besprochene Therapie Anwendung.
Die Blutungen aus nicht perforirenden Rissen im Cervicalkanalund solchen im Scheideneingang.
Blutet die Placentarfläche nicht, was an der energischen Zusammen-ziehung der (nicht vergrösserten) Gebärmutter zu fühlen ist, so mussder Finger die blutende Stelle aufsuchen. Aber Risse sind bei jederNeuentbundenen vorhanden, ziemlich bei der Hälfte aller Erstgebären-den auch am .Scheideneingang. Ohne bestimmte Grundsätze würde derGeburtshelfer im Fall einer Blutung in Verlegenheit kommen, auswelchen Verletzungen das Blut füesst.
Die tiefer gehenden Verletzungen, welche ernstlich bluten, kommenam Muttermund und Cervicalkanal fast nur dann vor, wenn dieserforcirt gedehnt wurde, wenn er beim Durchgang des Kindes noch nichterweitert war. Es sind also die operativen Eingriffe, obenan diemanuelle Extraction am Beckenende, welche zu den tiefen Ver-letzungen führen. Auch bei der Wendung kann die Ruptur entstehen,wenn die Umdrehung schwierig ist und der Fötus im unteren Gebär-mutterabschnitt beim Anziehen des Fusses direct quer zu liegen kommt.(Siehe dort.) Kam bei der Extraction der Muttermund fest umden Hals geschnürt zum Vorschein, dann muss der Geburts-helfer wissen, wo das Blut herkommt.
Die Schleimhautrisse in der Scheide entstehen bei Erst-gebärenden sehr häufig, aber selten führen sie zu einer profusenBlutung. Die Prädilectionsstelle ist die Schleimhaut, welche über denaufsteigenden Schambeinästen liegt. Ganz begreiflich ! Zwischen Kopf-und Schambeinknochen wird die Schleimhaut durchgerieben. An demWinkel der Rami ascendentes entspringen aber auch die Corporacavernosa clitoridis. Gehen diese Verletzungen recht tief bis auf denKnochen, so werden diese Schwellkörper eröffnet. Erst dadurch neigendiese Risse zu starken, anhaltenden Blutungen. In der Vagina richtet