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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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458
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458 Therapie der atonischen Blutungen.

Die Atonie kommt eher bei älteren Mehrgebärenden, deren Gebär-mutter sich schon öfters abgearbeitet hat, bei raschem, überstürztemGeburtsverlauf, besonders in der Nachgeburtsperiode, nach langen, er-schöpfenden Krankheiten, Tuberkulose etc., Hämophilie, bei voraus-gegangener übermässiger Ausdehnung der Gebärmutter durch Zwillingeund Hydramnion, dann erklärlicherweise durch Placentarstücke, imUterus zurückgehaltene Blutgerinnsel etc. vor.

Chloroformnarkose schaltet die Wehenthätigkeit ebenfalls aus. Vonder missbräuchlichen Anwendung des Alkohols berichtet Engelmanndasselbe Ergebniss.

Therapie der atonischen Blutungen.

Nach dem über die Aetiologie gesagten ist die Hauptsache dieProphylaxis.

Ist die Blutung da, so rnuss man den Schluss der blutendenGefässe durch kräftige Zusammenziehungen der Gebärmutterzu bewirken suchen. Die Mittel sind schliesslich immer dieselben, dieman zur Einleitung der künstlichen Frühgeburt und zur Besserung derWehenschwäche kennt. Aber bei der Zwangslage können nur einzelnezur Anwendung kommen.

Speciell das Seeale cornutum käme mit seiner Wirkung zu spät,ebenso alle anderen inneren Mittel. Man ist also nothgedrungen an-gewiesen auf die mechanische Einwirkung.

Es führt zu einer Wiederholung schon besprochener Mittel, wennhier die einzelnen Verfahren aufgeführt werden. Die Stillung vonBlutungen ist aber so wichtig und gerade bei den heftigen atonischenNachblutungen ist ein methodisches Verfahren so nothwendig, weil derArzt dabei so leicht die Besonnenheit verliert und sich bei Anwendungder Mittel überstürzt, entweder zu wenig oder zu viel thut, dass diesdie Wiederholung rechtfertigt.

1) Das erste ist, die Gebärmutter mit aller Energie vonden Bauch decken aus zu comprimiren. In den schweren Fällenfühlt sich das Organ wie ein schlaffer Sack an und man kann dessenContouren nicht mehr unterscheiden.

An diese mechanische Reizung reiht sich an

2) eine Compression der Gebärmutter in künstlicherAnteflexionstellung. Sollte der Druck von aussen erfolglos sein,weil sich keine Contractionen einstellen wollen, so gehe man bald mitzwei Fingern in das hintere Scheidengewölbe, dränge die Cervix undmit der anderen Hand von aussen her den Fundus uteri nach vorn undcomprimire das Organ in dieser Stellung. Zu dem mechanischen Reizdes Druckes kommt noch die directe Behinderung des Blutabflusseshinzu, indem bei der Anteflexionstellung ein klappenartiger Verschlusserzielt wird. Es sollte durch energische Anwendung diesesVerfahrens jede atonische Blutung gestillt werden.