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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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457
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Die Blutungen in der Nachgeburtsperiode. . 457

Die Blutungen in der Nachgeburtsperiode.

Es sind hiebei drei Stellen zu unterscheiden, aus denen das Blutkommen kann:

1) die Placentarstelle;

2) Risse im Muttermund und Cervicalkanal;

3) Risse im Scheideneingang.

Die offenen Sinus der Placentarstelle werden normalerweise durchdie Nachgeburtswehen geschlossen. Fehlen diese Wehen, hat mandie sogenannte Atonie des Uterus, so muss aus den Sinus Blut verlorengehen.

Ist aber bei einer Blutung in der Nachgeburtsperiode der Uterusfest zusammengezogen, so'muss das Blut aus Verletzungen im Cervical-kanal oder dem Scheideneingang kommen. Diese müssen mit demFinger aufgesucht werden.

Weitaus häufiger als die anderen sind die atonischen Blutungen.Die Prognose ist sehr ernst und das Ereigniss um so beklagens-werter,- als es bei genügender Aufmerksamkeit während derEntbindung vermieden werden kann. Atonie ist nur ein andererName für Wehenschwäche. Wir haben schon oben begründet, dassdie Wehenschwäche gebessert werden müsse, ehe man entbindet.So lange das Kind sich noch in utero befindet, erwächst aus der Wehen-schwäche keine Gefahr für die Mutter. In der Nachgeburtsperiodebringt aber eine Wehenschwäche die Kreissende dem Tode nahe (vergl.oben p. 353).

Derjenige qualificirt sich als schlechter Geburtshelfer, dem solcheBlutungen häufig vorkommen. Die eine Veranlassung ist die Sucht,die Zange so bald als möglich anzulegen, die zweite besteht in derschlechten oder ganz unterlassenen Ueberwachung des Uterus nach derAusstossung der Placenta. Versäumt man, nach Beendigung der Nach-geburtsperiode die Hand auf den Fundus zu- legen, macht man es damitmöglich, dass sich die Uterushöhle mit Blutgerinnseln füllt, so hindertdie Streckung, welche das Gebärorgan erleidet, einen Verschluss derPlacentarstelle. Dadurch entsteht eine innere Gebärmutterblutung,die in ihren Folgen nicht weniger gefährlich ist, trotzdem nur wenigBlut nach aussen abgeht. Erst nachdem die Höhle ganz ausgefüllt ist,kommen Expulsivbestrebungen hinzu. Auffallenderweise ist auch jedeBerührung der Gebärmutter bei innerer Blutung äusserst empfindlich.Um dieser Schmerzhaftigkeit willen soll jedoch die Entleerung keinenAugenblick verschoben werden, da sie mit dem Moment der vollkom-menen Ausstossung der Blutklumpen verschwindet. Ueber die Behand-lung siehe unten.

Was die Ursache solcher Blutungen des Näheren betrifft, sokann man sagen, sie fallen mit denen der Wehenschwäche zusammen.Die Blutungen sind aber so bedeutungsvoll, dass es sich verlohnt, dieeinzelnen Ursachen zu nennen.