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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
453
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Tampcmade, Art der Extraction. 453

Die Tamponade wird neuerdings von Einzelnen ganz verworfenund höchstens hei stehender Portio vaginalis und Wehenlosigkeitals zulässig erklärt. Dann aber entschieden nur die Anwendung desColpeurynters anerkannt, damit eine strenge Desinfection möglich ist.Bei Watte, die durch Hitze oder Imprägnation mit Jodoform sterilisirtist, fällt das Hauptbedenken weg. Ueber die Art der Tamponade vergl.p. 260.

Die Extraction hat äusserst langsam und vorsichtig zu ge-schehen. Es soll eigentlich nur das Kind zum Zweck des Tamponirensleicht angezogen, nicht aber extrahirt werden. Die Zeit wird zweck-mässig zur Kräftigung der Kreissenden durch Darreichung von Wein etc.benutzt. Ist der Muttermund nachgiebig, so dass das Kind leichtweiter rückt, so darf man ziehen. Kommt am Kopf ein Widerstand,so führe man nur einen Pinger in den Mund und ermöglicheso dem Kind Luftzufuhr, befördere aber das Kind nicht durch Zugvon unten, sondern besser durch Druck von oben, von den Bauch-decken aus heraus. Jedes rasche Ziehen macht bei einemnicht verstrichenen Muttermund Cervixrisse, und diese sindfür die Nachgeburtszeit und gerade bei Placenta praevia äusserstgefährlich.

Auch die Nachblutungen aus Atonie des Uterus sind seltenerund gemässigter bei langsamer Austreibung, und sind die ziemlichregelmässige Folge von rascher Entleerung. Also auch diesen wirddurch langsame, bedächtige Leitung der Austreibung vorgebeugt.

Das künstliche Blasensprengen fällt dann aus der Therapie so ziemlich ganzweg. Bei schon gesprungener Blase muss erst recht die combinirte Wendung an-geschlossen werden, und bei PL pr. totalis kann die Blase nicht springen, ei\e mandie Finger bis zur Eihöhle eingebracht hat.

Bei der Therapie der Placenta praevia kann man nicht vorübergehen, ohneeinige andere therapeutische Vorschläge einer kurzen Besprechung zu würdigen.Nämlich die Einwickelung der Extremitäten, um das Blut nach dem Herzen undden Nervencentren zu sanimein (von einigen Autoren mit dem NamenAuto-transfusion" bezeichnet), und die Transfusion.

Es ist im Princip vollkommen richtig, dass der Verblutungstod eintritt, weildie Centren der Athmung und Herzbewegung zu wenig Blut und zu wenig Sauer-stoff bekommen. Diese Thatsache rechtfertigt den Vorschlag vollkommen, so vielBlut als möglich nach diesen gefährdeten Posten zu schaffen.. Die tiefe Lage desKopfes ist dann aber die Hauptsache. Nur versäume man ob solchen Manipula-tionen nie, zuerst die Blutung zu stillen. Die Autotransfusion, wie der höchstbombastisch gewählte Name das Einwickeln der Extremitäten benennt, ist übrigensrecht schmerzhaft und schon mehr wie einmal von plötzlichem Toddurch Lungenembolie gefolgt gewesen.

Die Transfusion hat ihre eigene Geschichte. Es ist nicht bloss einmal vor-gekommen, dass man darin die Panacee gefunden zu haben glaubte, dieses Märchenhat sich schon öfters wiederholt. Die Verblendung ging kurze Zeit sogar so weit,Thierblut zu verwenden, trotzdem die gründlichsten Untersuchungen voran be-wiesen hatten, dass das Blut einer bestimmten Species für eine andere nicht alleinnutzlos, sondern direct schädlich und giftig sei. Menschenblut kann, wenn es gutdefibrinirt ist, im Kreislauf eines verblutenden Menschen den Dienst erfüllen, denman von der Transfusion erwartet. Nie ist also die Transfusion von Menschenbluta priori zu verwerfen. Aber der Nutzen wird nur selten vorhanden sein, so wie