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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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452
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452 Behandlung mit der conibinirten Wendung.

war das Durchbohren der Placenta seltener nothwendig. Man fand in der Regelan einer Seite die Eihäute. Weil jetzt die Wendung schon bei viel geringererEröffnung ausgeführt werden soll, ist der Muttermund viel häufiger im Umkreisdes touchirenden Fingers vom Placentargewebe ausgefüllt, und ist die Durch-bohrung der Placenta häufiger indicirt.

Der neue Vorschlag von Hofrnei.er hat seine Vorläufer gehabt. Schon vonBraxton Hicks 1 ) wurde die combinirte Wendung speciell für Placenta praeviaganz in derselben Motivirung wie von Hofmeier warm empfohlen und in 5 Fällenmit Erfolg für die Mutter angewendet. Vom Durchbohren der Placenta ist da-selbst allerdings nicht die Rede. Warm wurde dann der Vorschlag der baldigencombinirten Wendung von Fasbender 2 ), A. Martin 3 ) und Kaltenbach 4 ) be-fürwortet.

Die Resultate, welche Hofmeier und Behm in Beziehung auf die Sterb-lichkeit der Mütter erzielten, sind sehr günstig und ebenso günstige sind an derhiesigen Klinik gemacht worden. Es beschränkt sich die Mortalität beimErsteren unter 37 auf 1 Fall, darunter waren 16 PI. praevia totalis, resp. cen-tralis. Behm hatte unter 40 mit combinirter Wendung behandelten Geburtenmit PI. pr. keinen Todesfall. Die Mortalität der Kinder betrug bei Hofmeier63°/o unmittelbar nach der Geburt. Von 16 Kindern bei PL pr. centralis kamenüberhaupt nur 4 durch. Behm's Kindermortalität betrug 83,4°/o. Das Verfahrenmit der combinirten Wendung gipfelt darin, die Tamponade gänzlich zu umgehen1) wegen ihrer Gefahr für septische Infection, 2) wegen ihrer geringeren Verläss-lichkeit. Das nach abwärts gezogene Kind tarnponirt besser und die Angaben, dassthatsächlich kaum noch einige Tropfen Blutes nach der Wendung abgingen, sindBeweis genug für die Zweckmässigkeit. Nur eines muss noch angestrebt werden:die rücksichtslose Opferung des Kindes einzuschränken. Wahrscheinlich ist diesauch möglich, wenn man mit den zwei in die Gebärmutter eingeführten Fingernzwischen Placenta und Uteruswand hinauf nach Eihäuten sucht. Man wirddazu die Kreissende in Seitenlage bringen und die 2 Finger direct überdie Symphysis pubis hinaufführen, weil man hier am weitestenvordringen kann und noch am ehesten und häufigsten das Durchbohren der Pla-centa vermeiden kann. Durch das letztere Verfahren wird das Kind fast sichergeopfert und sicherlich die Placenta in noch grösserem Umfang von der Haftstellelosgetrennt als beim Hinaufführen der Finger zwischen Plaeenta und Uteruswand.Unleugbar hatte selbst das Trennen der Placenta von der Haftfläche die Blutungoft gestillt und war sogar von Einzelnen zur Methode erhoben worden. Das hatnun freilich keinen Werth im Vergleich zur combinirten Wendung. Wenn manfragt, warum die Finger durch die Placenta gehen müssen, so darf die Antwortnur lauten, weil man auf dem Umweg mit 2 Fingern nicht bis zur Eihöhle ge-langen kann.

In Beziehung auf den wunden Punkt des Verfahrens, die Opferung desKindes beim Durchbohren der Placenta, möchte ich einen vor kurzem operirtenFall von PI. praevia totalis erwähnen, bei welchem durch das Einführen derFinger zwischen Placenta undUteruswand das Durchbohren der überalladhärenten Placenta umgangen, das Kind noch lebend erhalten wurde und auchdie Mutter fieberlos genas. Dazu ist es vortheilhaft, die Kreissende auf dieSeite zu lagern, um vorn über die Symphyse hinauf recht weit vordringen zukönnen; es handelt sich dabei, die Perforation der Placenta so viel wie möglicheinzuschränken. Hofmeier machte sie 5-, Behm 7mal. Das Durchbohren derPlacenta erfolgt auf Andrücken durch die aussen liegende Hand sehr leicht.

J ) Ref. M. f. G. Bd. XVIII. p. 247 aus Lancet 14. und 21. Juli 1860.

2 ) Berl. Beitr. z. Geburtsk. Bd. I. 1872. p. 420.

3 ) Zeitschr. f. prakt. Medicin 1877. Nr. 19 und Leitfaden der operativenGeburtskunde.

4 ) Z. f. G. u. G. Bd. III. 1878. p. 185.