Behandlung der Placenta praevia. 451
ohnehin schon gross ist, durch die Anämie noch schlimmer wird. Auchfür die Uebertragung bietet die Placenta pr. mehr Gelegenheit als einenormale Geburt durch die Ueberraschung, welche sie für den Arzt häufigmit sich bringt und wohl auch, weil man mit den Fingern direct aufdie Placentarinsertion übertragen kann. Die besten Mortalitätszahlengaben Spiegelberg (16°/o) und Hecker (10 und 16,7°/o) an. Andereschätzen die Sterblichkeit bis zu 30 und 40°/o. Für die Mortalität derKinder schwanken die Zahlen bis zu 50, ja bis zu 78 °/°-
Die Behandlung der Placenta praevia drehte sich früher umTamponade, um frühzeitigen Blasensprung, um möglichst baldigeWendung und Extraction, und das Accouchement force". Die Tam-ponade mit dem Colpeurynter und mit Wattebäuschen galt so langefür berechtigt, als der Muttermund die Wendung und zwar die innereWendung noch nicht ermöglichte. Das Blasensprengen, so rationell esvon vornherein war, sollte ohne Anschluss der Wendung auch nichtausgeführt werden, weil der Blasensprung in vielen Fällen die Blutungnicht stillt. Es strebte diese Behandlung so sehr wie die seit wenigJahren empfohlene die möglichste Blutersparniss an, und jede Behand-lung muss dies und die Vermeidung von Sepsis zum Ziel haben.
Von dem neuen Verfahren wird nun durch eine grosse Statistikmit glänzenden Resultaten eine bessere Erfüllung dieser Aufgabe be-hauptet. Dieses neue Verfahren, wie es Braxton Hicks und Kalten-bach empfehlen, und Hofmeier zuerst in grosser Zahl anwandte, be-steht in möglichst früher Ausführung der Wendung, sobaldWehen, sobald eine Geburtsthätigkeit zu bemerken ist. Da die Wen-dung auch bei ganz gering eröffnetem Muttermund ausgeführt werdensoll, kann dies nur die combinirte Wendung nach Braxton Hicks(Digitahvendung), also eine Wendung mit Einführung von 1 bis2 Fingern in uterum und Entgegenschieben des Kindes durchdie andere Hand sein. Das ganze Verfahren hat den Zweck, dieTamponade, um der Gefahr der Sepsis willen, zu vermeiden und dasgewendete Kind als Tampon zu benutzen. Durch das Anziehenvon oben her wird der Steiss und der zurückgeschlagene Fuss desKindes an die Placenta und die Haftstelle angedrückt und die Blutunggestillt. So weit ist die Blutung als Hauptgefahr sistirt, und für dieVollendung der Geburt räth sowohl Hofmeier als besonders Behm—■ Geduld und Abwarten an. Jeder widerrathet ein raschesHandeln, eine Entbindung durch Extraction, namentlich bei noch un-vollkommen eröffnetem Muttermund um der Gefahr der Cervical-risse und der atonischen Blutungen willen.
Wenn wir so in nuoe den Gedankengang gegeben, so ist alles so weitrationell. Der befremd ende Punkt des neuen Verfahrens ist, dassdie Placenta durchbohrt werden soll, wo sie im Wege liegt.Aehnliches hat man früher schon gehabt, aber später wieder vollständig verworfen,freilich nur Aehnliches. Es galt das Durchbohren der Placenta nur als erlaubtbei PL pr. totalis, wo die zur Wendung einzuführende Hand überall nur Placentar-gewebe fand. Da es sich damals aber stets um eine grössere Eröffnung handelte,