Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
450
Einzelbild herunterladen
 

450 Symptome und Prognose.

Das hauptsächlichste Symptom der Placenta praevia ist dieBlutung. Für den Blutabgang ist aber nicht allein die Grösse dervon Chorionzotten entblössten Haftstelle maassgebend, es wirken hiezunoch verschiedene andere Factoren mit. Es beeinflussen der Blasen-sprung und die Wehenthätigkeit die Intensität der Blutung. Endlichkann das Eintreten eines Kindestheiles zu baldigem Aufhören derBlutung führen. Nicht immer, wenigstens so lange die Blase nochsteht, bessern rasch auf einander folgende Wehen die Blutung; nachdem Fruchtwasserabfluss ist aber eine energische Wehenthätigkeit sehrerwünscht.

Das Blut, welches verloren geht, entstammt dem mütter-lichen Organismus, die Fläche, aus der es kommt, ist die Stelle derPlacenta materna, von welcher sich die fötale Placenta gelöst hat. Dassdas Kind Blut verlieren könne, ist eine der Alternativen, die man nuraus wissenschaftlicher Spitzfindigkeit festhalten kann, die aber für dieWirklichkeit gar keine Bedeutung hat. Wenn ein touchirender Fingersich schonungslos in die Placenta eingräbt und diese verletzt, so wirddamit auch die Blutbahn des Fötus eröffnet. Verblutung des Kindesaus den zufälligen Läsionen des Choriongewebes ist unwahrscheinlich,,eine massige Blutung ist aber gegenüber der eminenten Erstickungs-gefahr des Fötus ganz nebensächlich.

Die Blutung kann bei allen Formen von PL pr. schon in derSchwangerschaft beginnen. Doch kommen im allgemeinen bei tieferemSitze die Blutungen früher, sind intensiver und führen rascher zur Ein-leitung der Geburt.

Die Prognose hängt für die Mutter hauptsächlich ab von derGrösse des Blutverlustes. Der Blutverlust ist meistens ganz ausser-ordentlich stark und lebensgefährlich. Eine Placenta praevia gehört zuden gefährlichsten Vorkommnissen der Geburtshülfe, und ist die Ge-sammtsterblichkeit der Mütter zum Theil ganz erschreckend hoch an-gegeben worden. Zweimal innerhalb kurzer Zeit wurde in der Klinikvon Olshausen Tod durch Lufteintritt in die Venen beobachtet-. DieKinder sterben ziemlich in der Hälfte aller Fälle an Asphyxie. DieErstickungsgefahr hängt ab von der Grösse des abgetrennten Placentar-lappens, von der Bedeutung dieses letzteren für die Athmung, von derSchnelligkeit der Abtrennung und von der Entleerung des Randsinus.Da speciell gegen die Blutung therapeutisch recht viel zu thun ist,kann durch eine bald und richtig eingeleitete Therapie manche Muttergerettet werden.

Dass Wöchnerinnen, welche eine PI. pr. überstanden haben, späterleicht dem Puerperalfieber zum Opfer fallen, erklärt sich aus der grossenAnämie, welche die Entstehung von ausgedehnten Thrombosen be-günstigt und wahrscheinlich zu rascherer Resorption disponirt. Natür-lich muss das inficirencle Agens erst hinzugetragen worden sein. Wirsetzen bei der obigen Annahme voraus, dass öfter die Infection statt-findet, aber nur zu einer localen Entzündung, zu Eiterung etc. führt,dass aber die Gefahr, welche bei Wöchnerinnen der Resorption wegen