Eintheilung der Placenta praevia. 449
fernung dieses Kreises vorn inneren Muttermund beträgt nach M. Dun-can's Messungen ca. 6 cm radiär gemessen. Noch wirkt eine andereUrsache auf die Trennung der Nachgeburt ein, nämlich die Retractiondes inneren Muttermundes. Wir müssen hier die Gründe angeben,warum der untere Gebärmutterabschnitt auch von oben nach unten sichstrecke und dehne.
Denkt man sich einen gebärenden Uterus aus all seinen Ver-bindungen gelöst, so muss die Geburtsthätigkeit dazu führen, dass derinnere Muttermund über das Ei und seinen Inhalt zurückgezogen wird.Da die Placenta, so lange das Ei intact ist, sich nicht zurückziehenkann, kommt eine ausgiebige Trennung derselben von der Gebärmutter-wand zu Stande. Dieser Anschauung entspricht es, dass man gelegent-lich bei Geburten, solange die Blase noch steht, immer mehr Gewebehervortreten fühlt und auf eben dieser Anschauung basirt auch der Rath,so bald als thunlich die Blase zu sprengen.
Wir haben noch mit zwei Worten einzugehen auf die Erklärungdes Entstehens. Die Placenta entwickelt sich regelmässig da, wo dieDecidua das befruchtete Ei überwächst. Wo die Placentarbildung naheam inneren Muttermund stattfindet, muss demnach das befruchtete Eitiefer heruntergefallen sein. Er entspricht auch das häufige VorkommenbeiMehrgebärenden, besonders beirasch aufeinanderfolgenden Schwanger-schaften und nach vorausgegangenen Frühgeburten der Auffassung, dassdas Ei wegen zu grosser Schlaffheit und Erweiterung der Uterushöhleso tief hinuntergleite. Wie viel dabei der Mangel an Flimmerung seitensdes Uterusepithels beitrage, lasse ich dahin gestellt. Sicher kommt aberPI. pr. auch bei Frauen vor, die früher keine Zeichen von Endometritishatten. Dass eine grosse Zahl von Aborten durch die frühzeitige Los-stossung eines tief inserirten Eies veranlasst wird, ist sicher nachzu-weisen (vergl. Kapitel Abortus S. 257).
Nach der Grösse des im Muttermund befindlichen Lappens derPlacenta unterscheidet man verschiedene Grade. Man spricht von Pla-centa praevia marginalis, PI. pr. lateralis und PI. pr. totalis.Bei der ersteren wird vorausgesetzt, dass nur ein Rand der Nachgeburtgefühlt werden könne, bei der lateralen ein grösseres Stück und beider dritten Form der ganze Muttermund von Placentargewebe über-deckt werde. Stillschweigend ist dabei angenommen, dass eine gewisseErweiterung vorhanden sei; wie viel, wird aber nie gesagt. Zurweiteren Verwirrung dieser Eintheilung führt noch der Umstand, aufden wir schon bei der Aetiologie aufmerksam gemacht haben, dass diePlacenta bei stehender Blase durch die Retraction des Muttermundesimmer mehr zum Vorschein kommen muss. Es ist gewiss richtiger,die schablonenmässige Eintheilung in verschiedene Grade ganz fallen zulassen, weil diese einzelnen Benennungen zu keiner Orientirung führen,und einfach im einzelnen Fall zu beschreiben, wie weit der Muttermundim Moment der Untersuchung ist und ein wie grosser Lappen vonPlacentargewebe denselben bedeckt, nach welcher Seite der Rand derPlacenta und die Eimembranen zu fühlen seien etc.
Zweifel, Geburtshülfe. 2. Aufl. 29