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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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Die Ursache der Ablösung der vorliegenden Nachgeburt.

Muttermund, die vor der Eröffnung einen Kreis bildeten, dessen Durch-messer kaum einige Linien betrug, umspannen beim Durchgang einenDurchmesser von 811 cm (den Kopfdurchmessern entsprechend). Esmuss also jeder Kreis eine Dehnung, das ganze Gewebe des unterenUterinabschnittes eine starke Verdünnung durchmachen. Die Dehnungfindet aber nicht allein im Kreisumfange, sondern auch in der Länge statt.

Sitzt die Placenta in diesem unteren TJterinabschnitt, der sich beider Eröffnung so sehr verändert, so muss dieselbe sich von der Haft-fiäche lösen. Die Nachgeburt wird von der Drehung nicht betroffen,dagegen verschiebt sich das unterliegende Gewebe vollkommen. Da-durch zieht sich die Decidua unter den einzelnen Chorionzotten hinweg.

Wir können auf ein kleines Experiment verweisen, welches denVorgang der Trennung darstellt. Wenn auf eine Platte von vulkani-

Fig. 166.

Der Trichter des unteren Uterussegmentes unterhalb der punktirten Linie.

sirtem Kautschuk ein kleines Stück Holz aufgeleimt wird und man be-ginnt die Platte zu spannen und zu dehnen, so dass sie sich allseitigverdünnen muss,- so wird sicher das geleimte Holz abspringen, weil sichdie Unterfläche verschiebt und zur Lösung der Verklebung führt.

Aus dieser theoretischen Erklärung lassen sich nun folgendeSchlüsse ziehen:

1) Die Trennung der vorliegenden Placenta kann erst erfolgen,wenn die Dehnungsvorgänge am unteren Uterinsegment beginnen.

Die Veränderungen am unteren Gebärmutterabschnitt nehmen ihrenAnfang in der letzten Zeit der Schwangerschaft.

2) Je höher die Placenta sitzt, um so länger kann die Abnormität,verlaufen, ohne eine Lösung zu bedingen, also ohne eine Blutung zumachen. Sitzt die Placenta mit allen Cotyledonen in einem Kreis desunteren Uterusabschnittes, der das Kind ohne eine weitere Ausdehnungdurchgehen lässt, so kann gar keine Blutung mehr veranlasst werden.Unterhalb dieses Kreises ist die Zone der Placenta praevia, oberhalbdesselben soll die Nachgeburt normaler Weise inserirt sein. Die Ent-