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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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445
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Diagnose und Therapie der geschehenen Uterusruptur. 445

würde dadurch die Blutung in die Bauchhöhle vermehrt, man würde denRiss grösser machen und Darmschlingen in den Uterus hinein ziehen,die bei der Zusammenziehung des Organes eingeklemmt würden.

Wichtig ist auch das Verhalten der Nachgeburt und deren Ent-fernung. Wo sie durch die Wehen nicht ausgetrieben wird, muss siegeholt werden. Aber jedes Eingehen in den Uterus ist höchst peinlich,weil die Wunde wieder zum Klaffen kommt. Dennoch muss die Lösunggeschehen, weil sonst auf einen Schluss des Risses nicht zu hoffen ist.Nicht gerade selten ist dieselbe in die Bauchhöhle getrieben worden.

Ist dagegen das Kind ganz aus dem Riss in die Bauchhöhlegetreten, so muss diese eröffnet und das Kind auf künstlichem Wegeentwickelt werden. Die Rissstelle aufzusuchen und zu nähen, ist dannPflicht. Es ist aber fraglich, ob nicht besser nach dem Vorbild derHysterectomie (Kaiserschnitt nach Porro, siehe dort) der Uterus in eineSchnürschlinge zu legen und abzutragen sei. Für diejenigen Fälle istes unzweifelhaft richtiger, wo eine anhaltende Atonie besteht, weil dabeidie Verblutung in die Bauchhöhle zu befürchten ist, der man mit ge-bundenen Händen gegenüberstände. Wenn man nach Ausführung derGastrotomie guter Contractionen gewiss ist, resp. wo sich die Gebär-mutter fest zusammenzieht, wäre die Abtragung eine unnöthige Ver-grösserung des Eingriffes und das Anlegen vieler Nähte aus Seide vor-zuziehen.

Zum Schluss noch eine praktische Regel im Interesse des Geburts-helfers. Sie heisst voran erkennen und voran die Prognose stellen,ehe man irgendwie an eine Kreissende mit drohendem oder schon ge-schehenem Gebärmutterriss Hand anlegt. Es gefährdet den Ruf einesArztes auf das empfindlichste, wenn ihm eine Uterusruptur zur Lastgelegt wird. Die Vertheidigung und die Ausreden nach der Katastrophekönnen die Nachrede nicht zum Verstummen bringen. Und da dasPublikum, wo etwas unglücklich abläuft, einen Sündenbock haben will,schütze man sich, dazu zu werden.

Inhaltsübersicht.

1) Die Gebärmutterzerreissung wird in der Hegel durch eine Ver-dünnung des unteren Gebärmutterabschnittes vorbereitet. Diese Verdün-nung kommt zu Stande, iveil sich die Gebärmutter über einem Kind, dasnicht durch das Becken gehen kann, in die Höhe zieht.

2) Die Vorboten einer Uterusruptur sind: die auf einer Seiteretrahirte Uterusmuskulatur, starke Spannung der Lig. rotunda, eventuellauch Spannung der Scheide, ferner die psychischen Erscheinungen: grosseUnruhe und Entstellung des Gesichtes, in Folge anhaltender, schmerzhafterSpannung.

3) Ausnahmsweise kann eine Gebärmutterzerreissung ohne alle Vor-boten zu Stande kommen.

4) Die Behandlung der drohenden Uterusruptur besteht in der so-fortigen Entbindung.