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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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444
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444 Diagnose und Therapie der geschehenen Uterusruptur.

Kugel contrahirten Gebärmutter durch die schlaffen Bauchdecken dasKind fühlt. War die Rissstelle vorn, so kann das hier ausschlüpfendeKind die Gebärmutter nach hinten drängen, war sie mehr nach hinten,so entzieht sich der Fötus eher der Palpation.

Die Prognose ist für die Kinder absolut schlecht. Es recht-fertigt diese Thatsache auch die grössten Eingriffe, wenn die Rupturdroht, sollte auch dabei das Leben des Fötus geopfert werden. Fürdie Mütter wird die Prognose durch eine richtige Therapie wesentlichverbessert. Es gibt gewiss auch für eine richtige und rasche Therapienoch keine rosigen Aussichten, aber ohne dieselbe ist der Verlauf fast.absolut schlecht.

Wir erwähnen die Statistik von Trask 1 ), wonach die Mortalität beim Zu-warten 78°/oi nach der Entbindung auf natürlichem Wege 68 und bei Ausführungder Laparotomie 24% betrug. Diese Zusammenstellung kann nicht richtig sein.Das überraschend günstige Mortalitätsverhältniss nach Laparotomieen erklärt sichdurch die bekannte Thatsache, dass günstig verlaufene, besonders operative Fällepublicirt, die andern hübsch verschwiegen werden, und durch die relative Klein-heit der Zahlen.

Die Therapie. Ist das Kind nur halbwegs aus dem Rissgetreten und per vias naturales zu extrahiren, so wird auf diese Weiseentbunden, und nachher die Bauchhöhle durch die Rissstelle drainirt.Meistens liegen die Verhältnisse so, dass das Kind zum Theil noch inder Scheide oder im Uterus liegt. Dann ist durch die von C. Braunund Bandl hiebei zuerst eingeführte Bauchhöhlendrainage die Heilungviel eher möglich, als durch die Laparotomie.

Die Gefahr beim Uterusriss besteht aber nicht allein in der Blutung,sondern in der Retention und Zersetzung des Blutes in der Bauchhöhle,also in der abdominellen Septichämie. Dagegen ist von] C. Braun,Schröder u. A. das Einlegen von recht dicken Drainröhrenvon T-Form empfohlen worden. Ein Compressivverband um dasAbdomen gehört noch dazu. Diese Drains haben oben einen Quer-balken, der das durch die Rissstelle in die Bauchhöhle eingeführte Rohrfesthält. Injectionen in das Rohr dürfen nicht gemacht werden. Da-gegen wird der Inhalt ausgesaugt und das Drainrohr durch Auswischenmit Gänsefedern durchgängig erhalten. Einspritzungen in die Scheidealle 2 Stunden sind nothwendig. Nach einigen Tagen, wenn die Secretionnachgelassen hat, in der Regel nach 7 Tagen, wird das Rohr entfernt.Schröder, Frommel, Gräfe, Hecker, Morsbach haben von dieserBehandlung schon ausgezeichneten Erfolg gesehen. Auch in meinerKlinik ist ein ähnlicher Fall durch diese Anwendung der Peritoneal-drainage glatt geheilt. Neuerdings wird das Hauptgewicht nur nochauf den Compressivverband gelegt.

Ist aber der Fötus ganz ausserhalb der Uterushöhle und die Ge-bärmutter zusammengezogen, so ist nicht anzurathen, mit der Hand denRiss zu passiren und die Extraction per vias naturales zu erzwingen. Es

] ) Amer. J. of med. sc. Jan. and April 1848.