Unbekannte Ursachen der Uterusruptur. 443
Bauchhöhle trat. Man hielt solche Vorkommnisse für mangelhaft be-obachtet, namentlich in Beziehung auf Wehenthätigkeit und Frucht-wasserabfiuss. Allein es haben neuerdings Hofmeier und nach ihmandere Autoren dieses Vorkommen unanfechtbar bewiesen. Man mussdabei an eine gewisse Vorbereitung der Uterusmuskulatur, an einegrössere Brüchigkeit in Folge von Verschiebung der einzelnen Muskel-schichten denken. Aber weder Hofmeier noch Andere haben dies beider Untersuchung nachweisen können. Wie solche Selbstzerreissungenzu Stande kommen, ist vorläufig noch räthselhaft.
Uterusrupturen ohne Vorboten kommen besonders bei älteren Mehr-gebärenden vor. Ueberhaupt disponiren diese viel mehr zur Zerreissungals jüngere Personen, zunächst, weil der Uterus an Elasticität und Con-tractilität verloren hat. Wahrscheinlich hat aber auch der Nachlass derBauchpresse damit zu thun. Wir können uns denken, dass da eineRuptur eher zu Stande kommt, wo dem sich vorbauchenden Cervical-kanal von Seiten der Bauchdecken kein Gegenhalt geleistet wird.
Die Therapie der drohenden Uterusruptur besteht in einer so-fortigen, aber schonenden Entbindung. Eine Operation, bei welcher dieSpannung der Cervix noch vermehrt wird, ist ein unverantwortlichesWagniss zu nennen. Eine Wendung unterlasse man also und ziehe dieVerkleinerung des Kindes vor. Bei der Wendung selbst ist das Ein-führen der Hand nicht weniger gefährlich, als die Umdrehung des engumschlossenen Kindes.
Liegt das Kind in Querlage, so muss die Embryotomie, bei engenBecken und Schädellagen die Perforation, bei Hydrocephalus die Punction,resp. Craniotomie gemacht werden. Es sind auch fast nur diesedrei Geburtsstörungen — Querlage, enges Becken und Hydro-cephalus — welche die hohe Gefahr einer Gebärmutterzer-reissung verursachen.
Die vollendete Zerreissung ist leichter zu diagnosticirenals die drohende. Es sind nicht blos die erwähnten Zeichen, die schonvor der Katastrophe bestanden, es kommen hiezu noch Blutabgangaus den Genitalien, Aufhören der Wehenthätigkeit, eine Ge-schwulstbildung (Blutgeschwulst) neben dem Uterus mit emphyse-matösem Knistern und eine eigenthümliche fetzige Beschaffenheitdes äusseren Muttermundes, Brechen, Collaps, elender, peritonealerPuls. Es ist mir unvergesslich, dass bei einem solchen Fall, zu demich gerufen wurde, die erste Untersuchung den Eindruck machte, dassein Stück der abgerissenen Eihäute aus dem Muttermund heraushänge.Der Riss geht immer durch den Cervicalkanal bis zum, oder nahezubis zum äusseren Muttermund. Der vorliegende Theil, der voran indas Becken hineingepresst war, ist verschwunden oder er ist leichtzurück zu schieben. Beides ist höchst ominös.
Die voran energische Wehenthätigkeit hört auf; die Kranke klagtnicht mehr über das Kreuz, um so mehr und ängstlicher über dieRegio pubica.
Die Diagnose ist am sichersten zu stellen, wo man neben der zur