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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
435
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Die Difformitäten des Kindes als Geburtslündemisse. 435

Wir können hiebei alle Missbildungen, welche nicht durch Ver-grösserung Hindernisse bereiten, ausser Acht lassen. Wenn auch mehrere,wie die Hemicephalie und andere zur Verwirrung der Diagnose führenkönnen, so schaffen sie doch kein Geburtshinderniss.

I) Hydrocephalus.

So nennt man einen Kopf, der durch übermässige Ansammlungvon Serum in. den Hirnhöhlen zu einer grossen mit Wasser gefülltenBlase umgewandelt ist. Die Hirnmassen können die Wand bilden, oderkönnen mehr oder weniger, ja sogar vollständig untergegangen sein.Die Knochen sind nicht ebenso stark ausgewachsen, die Nahtränderstehen also weit auseinander und zwischen ihnen verlaufen breite,häutige Streifen.

Zu erkennen ist der Wasserkopf, wenn die Schädelhöhle prallgespannt ist, durch die grossen Knochenlücken, durch die Pluctuationund durch die Verjüngung des Kopfes nach vorn, gegen die Stirn hin.Das Gesicht bleibt schmal, ebenso das Stirnbein. Dagegen müssendie beiden Stirnbeine in der Frontalnaht an einander gedrängt erscheinen.Natürlich muss man auch durch die äussere Untersuchung den grossenKopf durchfühlen können.

Diagnose. Die Schwierigkeiten werden oft sehr gross, weil derKopf während der Geburt sehr hoch stehen bleibt und wegen dergrossen Beweglichkeit nur ein kleines Segment und auch dieses nichtgenau befühlt werden kann.

Verwechselungen sind möglich mit dem Kopf von macerirten Fötus.Durch die Wehen kann ein solcher auch prall gespannt werden. Da-bei sind auch weite, nur membranös bekleidete Spalten an Stellen derNähte. Der wesentliche Unterschied ist aber der, dass solche raacerirteKöpfe kein Geburtshinderniss abgeben. Weiter kommen bei der Differen-tialdiagnose in Betracht verschiedene cystische Geschwülste am Fötus:Spina bifida, Encepbalocele. Selbst die prall gespannte Fruchtblasehat schon zu Irrungen Veranlassung gegeben.

Die Prognose ist für die Kinder in der Regel sehr schlecht.Sind auch schon einzelne lebend zur Welt gekommen, so sind sie dochselten am Leben geblieben.

Für die Mutter ist die Prognose auch ungünstig. Unter 94 Fällenwar der Ausgang 24mal tödtlic-h und dabei ist in einer sehr grossenZahl von Uterusruptur die Rede. Dieses fatale Ereigniss ist freilichnur so zu erklären, dass in jenen Fällen die Diagnose Hydrocephaluszu spät gemacht wurde; denn das Geburtshinderniss an sich ist ja mitLeichtigkeit zu beseitigen.

Die Geburt kann von selbst vor sich gehen, wenn sich einScheitelbein auf dem Beckeneingang fixirt und sich der Kopf configurirt.Es wird dann die Hydrocephalusblase an dem festgestellten Scheitelbeinvorbei in das Becken getrieben.

Die künstlichen Eingriffe sind Punction des Schädels mit Troicart