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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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427
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Krampfwehen und Tetanus uteri. 427

warten. Winter geht davon ab, um immer Wendung und Extraction aneinander-schliessen zu können, im Interesse der Kinder.

Wenn je durch das Warten auf die volle Eröffnung die Wendungrecht schwer oder unausführbar wird, und — wie dies wirklich derFall ist — sich die Gebärmutter rasch dehnt und reisst, ehe es demArzt möglich ist, sich für die Embryotomie vorzusehen, so gehen Mutterund Kind unter.

Dass beim Warten auf die volle Eröffnung unvermittelt und relativ balddie Constrictio spasmotiea ad rupturam sich einstellen kann, habe ich einmal ge-sehen, wo ein Arzt die Eröffnung abwarten wollte, ehe er die Wendung unter-nahm — da war die Wendung nicht mehr möglich.

Ich kenne weiter eine Patientin, welche 3 Tage vor Beginn der ordentlichenWehen das Fruchtwasser verlor und vom 3. Tage an, ohne dass sie das geringsteMittel bekommen hätte, oder Entbindungsversuche bei ihr unternommen wordenwären, heftigste Krampfwehen und Tetanus uteri bekam. An diesem 3. Tag wurdeein Arzt gerufen, der bald erklärte, nicht fertig werden zu können, und einenzweiten herbeizog. Es konnte wegen Tetanus uteri nur noch die Embryotomieausgeführt werden. Die Kranke trug eine Urinflstel davon. Ich könnte noch mitmehr Fällen dienen.

Ich halte nach solchen Erfahrungen an dem Rathe fest,bei regelwidrigen Lagen nach dem Blasensprung die Wen-dung so bald auszuführen, als dies geht und halte den gegen-theiligen Rath für höchst gefährlich. Doch ist so viel richtig, dassman oft nach langer Geburtsdauer, nachdem auch das Fruchtwasserschon abgeflossen war, die Wendung noch leicht durchführen kann.Bei stehender Fruchtblase besteht bis zur vollständigen Eröffnung desMuttermundes kein Grund zum Eingreifen.

Von den Fällen, welche Winter 1 ) hervorhebt, um nachzuweisen, dass dieEinkeilung des Kindes niemals in der Eröffnungsperiode, also immer erst nachder vollständigen Eröffnung des Muttermundes zu Stande komme, will ich einenherausheben, um ihn den Aerzten, welche gesonnen sind, diese volle Eröffnungabzuwarten, als warnendes Beispiel vorzuhalten. Man kann daraus ersehen, wierasch aus der ersten Form der Anschtniegung die Ruptura uteri vorbereitet werdenund entstehen kann. 7) VII para (6 normale Geburten, 1 Forceps) Querlage; bei3markstückgrossem Muttermund springt die Blase; 1 Stunde darauf nachkräftigen Wehen tritt bei verstrichenem Muttermund die Uterusruptur ein. Diesein Fall, der wörtlich aus Winter's Publication entnommen ist. Wer will umder Rücksichtnahme für das Kind so viel Gefahr eintauschen für die Mutter?

Wir haben noch die Nothhülfe der Natur — die Selbstent-wicklung — zu besprechen und müssen das nothwendige über dieSelbstwendung anschliessen.

Die Selbstentwicklung geht stets mit Retraction der Uterus-muskulatur einher. Dieser Zustand characterisirt sich durch eineäusserst energische Constriction des Uterus. Das Kind ist fest zu-sammengepresst, die Schulter tief getrieben, die Contouren des retra-hirten Uterus an den Bauchdecken zu betasten, bei mageren Individuensofort zu sehen. Beim Eingehen ist der äussere Muttermund nicht

l ) 1. c. p. 172.