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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
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426 Passives Anlegen der Gebärniutterwand und Tetanus uteri.

verkleinert. Die Gebärmutter lässt alle Contouren des Kindeswahrnehmen, die Wand liegt aber schlaff um das Kind (passive Zu-sammenziehung, L a h s).

Während im ersteren Fall — von Retraction des Uterin-segmentes und Einpressen des Kindes in den Beckeneingang die Handnur schwer dasselbe zurückzuschieben vermag, begegnet sie bei dem pas-siven Anschmiegen an das Kind keinem nennenswerthen Widerstand.

Das sind zwei verschiedene Zustände, die nach den erwähntenZeichen zu erkennen sind. Von vernachlässigter Querlage kann mannur dann sprechen, wenn das Kind in das Becken eingepresst, kräftigeWehen und eine Retraction der Uterusmuskulatur vorhanden ist. Dasses das allerschlechteste, geradezu ein Zeichen einer Uterusruptur sei,wenn ein so tief ins Becken gepresstes Kind leicht zurückzuschiebenist, werden wir bei Besprechung der Zerreissung nochmals erwähnen.

Von den beiden erwähnten Zuständen, dem passiven Anschmiegenund der Dehnung des unteren Uterinabschnittes, trennt nun neuerdingsWinter eine dritte Störung ab — den Tetanus uteri. Diese Formhöchster, beständiger Spannung der Uterusmuskulatur leitet er ätio-logisch ab „von directen Insulten und Reizungen der Uteruswand durchmechanische oder chemische Einflüsse", d. h. durch missglückte Wen-dungsversuche oder übermässigen, resp. unzeitigen Gebrauch von Seealecornutum.

Er leugnet also die Möglichkeit einer spontanen Entstehung, hataber damit nicht Recht. Es gibt sowohl Krampfwehen als auchTetanus uteri ohne Verabreichung von Seeale cornutum,oder irgend welche Entbindungsversuche, einzig und alleindurch frühzeitigen Blasensprung. Mögen auch dies die Aus-nahmen sein, so kommen sie doch sicher vor.

Für die Praxis ist die wichtigste Frage, wie lange kann die pas-sive Anschmiegung mit Wehenlosigkeit oder geringer Wehenthätigkeitdauern, wie bald hat man die grössere Gefahr, die Vorbereitung derRuptur zu befürchten? Noch genauer, um das bedeutungsvolle ganzherauszuheben, kann ich die Frage so stellen: kann die durch den Luft-druck um das Kind geschmiegte Gebärmutter, wenn Wehen eintreten,gleich zu einer solchen Fixirung des Kindes führen, und so rasch undunvermittelt in die zweite Form der Constriction, die zum Zerreissenvorbereitet, übergehen, dass man beim Abwarten fürchten muss, dieWendung, wenn man sie nachher machen will, unausführbar zu finden ?

Winter behauptet, dass das Einpressen des Kindes in die einseitige Re-traction des Contractionsringes nicht früher als nach vollkommener Eröff-nung des Muttermundes geschehe, und dass man, um die Extraction an-schliessen zu können, bei Querlagen mit der Wendung bis zur Erweiterung desMuttermundes warten könne. Dabei ist hinzuzufügen, dass ein fingerbreiterSaum des Muttermundes stets bestehen bleibt, und unter solchemVerhalten Wendung und Extraction zu machen wären. Dieser Rath ist neu; dennbisher galt überall die Lehre, nach dem Blasensprung so baldals möglich zu wenden und diese Operation auszuführen, sobald der Mutter-mund die Hand durchlasse, also die volle Eröffnung des Muttermundes nicht abzu-