Die Vorbereitung der Ruptura uteri bei Querlagen. 425
Da nur der vorliegende Arm vorfallen kann, giebt es bei Arm-vorfall nur noch zwei Möglichkeiten.
Der Verlauf der sich selbst überlassenen Querlagen endet inder Regel mit Tod für Mutter und Kind. Diese Erfahrung gibt folge-richtig die Indication, durch Kunsthülfe den schlimmen Ausgang zuvermeiden. Dies ist um so dringender geboten, als die Aufgabe desGeburtshelfers leicht zu erfüllen und wohl nie unerfüllbar ist, wenn dieLeitung der Geburt von Anfang an in sachverständigen Händen liegt.
Wodurch endet die sich selbst überlassene Querlage tödtlich, wasgibt im Einzelfall die directe Todesursache ab? Das ist für die über-wiegende Mehrzahl der Fälle von Querlage- die Uterusruptur. Immermehr tritt in unserer Zeit die unbestimmte Definition der Erschöpfungin den Hintergrund. Es handelt sich um zwei Gefahren: die Ver-blutung und die Sepsis.
Bei der Uterusruptur droht beides und zwar, wenn die Verblutungnoch gnädig überwunden ist, gerade die Sepsis in Form der septischenPeritonitis.
Wie sich die Ruptura uteri vorbereitet, wollen wir hier nicht näherauseinandersetzen, sondern auf das besondere Capitel über Gebärmutter-zerreissung verweisen. Doch so viel müssen wir hier schon anfügen,dass diese Vorbereitung in der Retraction des unteren Gebärmutter-abschnittes über das quer liegende Kind besteht.
Um in praxi dem Vorwurf einer durch Gewalt verschuldeten Zer-reissung sicher zu entgehen, haben wir den Verlauf der sich selbstüberlassenen Querlage zu berücksichtigen.
So lange bei einer vorhandenen Schulterlage die Fruchtblase steht,existirt keine Gefahr und Nothwendigkeit zum Eingreifen bis zur vollenEröffnung des Muttermundes.
Springt die Blase, so ist die Wendung und Extraction leicht undmit bester Aussicht auf Erfolg zu machen. Wird aber die Wendungaus irgend welchen Gründen versäumt, folgen die Wehen stärker undrascher, so wird das Kind, so viel der Raum des Beckens und seineeigene Biegsamkeit es gestattet, zusammengedrückt und in das Beckenhineingeschoben, und der Uterus unter Verdünnung des unteren Seg-mentes, und zwar einseitig über das Kind zurückgezogen. Dadurchentsteht eine Situation auf Biegen und Brechen — entweder es biegtund schmiegt sich das Kind zusammen und rückt in bestimmter Weisedurch das Becken — durch Selbstentwicklung, Evolutio spontanea —oder es bricht die Gebärmutterwand, es entsteht die Ruptura uteri.
Diese Situation heisst mit vollstem Recht eine vernachlässigteoder verschleppte Querlage. Der Vorwurf der Vernachlässigungtrifft dabei diejenige Person, welche die Vornahme der Wendung zurrechten Zeit versäumt, resp. die Versäumniss verschuldet hat.
Wie liegt nun die Sache, wenn die Blase zuerst oder dochzu früh springt. Das Fruchtwasser fliesst ab, ohne dass Wehen dawaren oder da sind. Nach dem Gesetz des Horror vacui wird dasVolumen des Uterus durch Einbiegen und Anschmiegen der Wand