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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
423
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Die Quer- oder Schulterlagen. 423

Kopflage in Beckenendlage übergehen, und umgekehrt. Während desLagewechsels kommt das Kind jedesmal vorübergehend in eine Quer-lage zu liegen, und solche sind auch in der Schwangerschaft rechthäufig anzutreffen.

So wie aber die Gebärmutter anfängt, sich zusammenzuziehen,nimmt sie Schlauchform an und zwingt das Kind mit seiner Längsaxein die Längsaxe des Uterus.

Als Schieflage bezeichnet man ein Abweichen des Kopfes nacheiner Seite, ohne dass die Kindesaxe abgeknickt ist; bei der Schulter-oder Querlage ist die Schulter tiefer in das Becken eingetreten.

Weitaus am häufigsten disponirt zu Schulterlagen eine grosseSchlaffheit und Geräumigkeit der Gebärmutter. Man sieht die Quer-lagen meistens bei Mehrgebärenden, bei Hydramnion, bei Zwillingen.Dann aber auch bei Lageabweichungen der Gebärmutter, Anteversio(Hängebauch), Dextroversio, die ungemein häufig vorkommt. Entschiedenbegünstigt auch das enge Becken, weil es den vorliegenden Theil nichtin den Eingang treten lässt, die Entstehung von Schief- und Schulter-lagen. Der ursächliche Zusammenhang zwischen engem Becken undQuerlage geht so weit, dass wenn eine Erstgeschwängerte am Ende-der Zeit eine Abweichung, also eine Schief läge zeigt, dies für Vor-handensein eines engen Beckens spricht, und eine aufmerksame Unter-suchung ein solches auch meistens findet.

Alle Momente, welche den Geburtskanal mehr oder weniger ver-legen, begünstigen eine Querlage, so Placenta praevia, Uterusgeschwülste.Endlich kommen auch bei Frühgeburten und bei todten Kindernmehr Querlagen vor als bei reifen.

Die Häufigkeit schwankt nach den verschiedenen Berechnungenzwischen 0,40—0,78 °/o (Verhältniss 1 Querlage auf 128—252 Geburten).

Die Diagnose beider Geburt. Untersucht man eine Kreissendeund findet man das kleine Becken leer, so handelt es sich umenges Becken, Querlage oder Fusslage. Auf die ganz selteneEventualität eines Hydrocephalus, oder allgemeiner gesagt, eines un-förmlich vergrösserten Kindes, nehmen wir hier keine Rücksicht. Dieweiteren Merkmale sind Querausdehnung des Uterus, besonders in derunteren Bauchgegend. Nie versäume man, das Abdomen genau abzu-tasten, um den nach der Seite abgewichenen Kopf und die kleinenTheile aufzufinden. Die äussere Untersuchung ist zur Diagnoseder Querlagen von allergrösster Bedeutung.

Die innere Untersuchung hat es nicht immer leicht, ein be-stimmtes Resultat zu geben. Es können Schwierigkeiten vorkommendurch Hochstehen des vorliegenden Theiles, beständiges Zurückweichendesselben, Engigkeit des Muttermundes, die es entschuldbar machen,dass die genaue Diagnose nicht sofort gestellt wird. Es gelte aber hierbei jeder Ungewissheit in der Diagnose als Regel, bei stehenderFruchtblase die weitere, ja die vollkommene Eröffnung desMuttermundes abzuwarten, ehe eine angestrengte Untersuchung unter-'nommen wird. So lange die Eiblase steht, kann die Ungewissheit