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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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422 Die Sprengung der Symphysis pubis.

sprengt werden soll. Ebenso begünstigt eine schlechte Einstellung des Kopfes dieVerletzung, wenn der letztere sich quer oder mit nach hinten gerichtetem Hinter-haupt durch den Beckenausgang wälzt.

Nicht immer braucht es grosse, übermässige Gewalt. Es scheint gelegentlichdurch Entzündungen, vielleicht durch andere Momente eine Lockerung voraus-gegangen zu sein. Meistens waren zwar forcirte Zangenoperationen oder schwereExtractionen des nachfolgenden Kopfes gemacht worden. Im Falle Dührssen undanderen entstand die Ruptur durch das Durchziehen der Schultern eines über-grossen Kindes.

Weitaus am häufigsten kommt die Trennung an der Symphysis pubis zuStande; doch können auch die Synchondroses sacro-iliacae zerspringen.

Die Erscheinungen sind oft so unbestimmt, dass ein vollständiges Ueber-sehen der Verletzung erklärlich wird. Das regelmässige Symptom ist eine Schwer-beweglichkeit der Schenkel und Schmerz in den betroffenen Gelenken. Die Ober-schenkel werden nach aussen rotirt, Kniee, Unterschenkel und Füsse liegen mitihren Aussenfiächen auf dem Bett. Ferner bemerkt man bei Symphysenspalt häufigHarnträufeln.

Die Diagnose wird durch Befühlen der Gelenke und Verschiebung derHüftbeine bei passiver Bewegung zur Gewissheit. Man muss an der Symphyse■durch Auswärtsziehen der Hüftbeine ein geringes Klaffen fühlen. Aehnlich an denHüftkreuzbeingelenken. Die baldige Stellung der Diagnose ist um so nothwendiger,als die bald eingeleitete Therapie von wesentlich besserer Prognose ist. Wirdrechtzeitig eröffnet, so hat die Symphysenruptur keine so schlimme Bedeutung, wieman früher annahm. Die allfällig auftretende Pyämie scheint nicht von den Ge-lenken auszugehen, sondern nur eine begleitende Infection von den Genitalien auszu sein.

Die Therapie besteht in einem Beckengürtel, d. h. einem fest um dasBecken gelegten Verband. Spätes Erkennen führt meist zu Eiterung. Monatelangbesteht Unbeweglichkeit und Schwerfälligkeit im Gehen.

€. Die räumlichen Missverhältnisse von Seiten der Frucht.

Es kann sich hiebei nur handeln um Vergrösserungen des Kindesoder um falsche Lagen. Wir berücksichtigen zunächst die letzteren.Einige falsche Lagen, resp. Einstellungen haben wir schon bei Gelegen-heit des engen Beckens erwähnt: nämlich die vordere und hintereScheitelbeinstellung und die extramediane Einstellung (S. 410). Dienun zu erwähnenden Lagenabweichungen können durch das enge Beckenwohl begünstigt werden, aber recht gut auch ohne ein solches vor-kommen. Es sind

die Schieflagen und die Quer- oder Schulterlagen.

Literatur.

Lahs: A. f. G. Bd. III. p. 214. — Bandl: Ruptur der Gebärmutter. —Winter: Z. f. G. u. G. Bd. XII. Heft 1. — Bidder: Z. f. G. u. G. Bd. VI. p. 333u. Bd. V1H. p. 176.

Vorkommen und Ursachen. Vom Lagewechsel während derSchwangerschaft ist oben gesprochen worden. In der schlaffen Ge-härmutter und der erhaltenen Fruchtblase kann das Kind aus der