Die Aetiologie der Blasenscheidenfisteln. 419
durch die Erfahrungen der operativen Gynäkologie, wie leicht das Peri-toneum verklebt und wie gut dasselbe Verletzungen ertragen kann,wenn keine Infectionskeime hinzukommen. Aus den allgemeinen Er-fahrungen, welche man in der chirurgischen Behandlung des Peritoneumsmacht, kann man schliessen, dass bei der langsamen Exfoliation sich durchVerklebung sofort ein Abschluss bildet, dass also da, wo die perforirendeUsur mit den bedenklichen Symptomen der septischen Peritonitis ein-hergeht, die Bildung der Communication schon während der Geburtstattfinden musste. Vielleicht führt dann zur Entstehung der Perforationein forcirter Entbindungsversuch, der eine starke Zerrung an den ohne-hin morschen und brüchigen Stellen macht (Zange am hochstehendenKopf).
Oefters wurden Fälle von Usur erst auf dem Leichentisch ent-deckt und ist wohl meistens der gute Verlauf zu erwarten, wo eineInfection vollständig vermieden wird.
Zu den Gefahren des engen Beckens und speciell zu den Folgender oben bezeichneten Compressionssymptome gehören auch die Blasen-scheidenfisteln.
Inhaltsübersicht.
Die perforirende Usur des Uterus ist eine Druckgangrän mit In-fection in die Bauchhöhle.
Die Aetiologie der Blasenscheidenfisteln.
Literatur.
Landau: A. f. G. Bd. VII. p. 341—346. Bd. IX. p. 428—436. — Zweifel:Bayr. ärztl. Intelligenzblatt. Jahrg. 1878 u. Berl. klin. Wochenschr. 1881. Nr. 24. —Winckel: Handbuch der Frauenkrankhtn. 1885. Bd. III. p. 429—432. — Emmet:Trans. Amer. Gyn. Society. 1879. Bd. III. p. 114. — Martin: Z. f. G. u. G.Bd. IV. p. 320.
Es sind dieselben eine so schwere und schreckliche Plage, dasssich gewiss in einem Lehrbuch der Geburtshülfe eine Besprechungrechtfertigt, um so mehr, als ich die Ueberzeugung habe, dass die-selben durch eine umsichtige Behandlung der Geburten meist zu ver-hüten sind.
Zuerst hielt man jede Communication zwischen Scheide und Blasefür eine Folge der Zange. Die Entstehung der Blasenscheidenfisteln wurdeallgemein den Operateuren zur Last gelegt. Dagegen sprach sich zu-erst W. S. Schmitt (1828) aus, der so ziemlich die bis dahin gültigeLehre ins Gegentheil drehte: Nicht die Zange und das zu häufigeOperiren, sondern die Zangenscheu, die zu grosse Aengstlichkeit undZurückhaltung sei Schuld an dem schlimmen Ereigniss. In der Thatentsteht eine sehr grosse Zahl von Blasenscheidenfisteln durch Ex-foliation eines durch den langen Druck brandig gewordenen Stückesder Blasenwand. Mehrere bedeutende Capacitäten haben sich dieser