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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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403
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Diagnose des ankylotisch schräg verengten Beckens. 403

allen anderen Gelenken ist eine Ankylose unbestritten das Product, ja der sichereBeweis einer vorausgegangenen Gelenksentzündung ] ), so gut wie die peritonealenPseudomembranen heute von Niemandem mehr anders auf'gefasst werden als dasProduct einer Entzündung, Warum soll dies am Hüftkreuzbeingelenk verschiedensein ? Auch da, wo keine Eiterungen, Durchbrüche, Hautnarben u. dergl. existiren,kann eine chronische Entzündung des betreffenden Gelenkes vorhanden gewesen sein.

Man vergleiche darüber den Spiegelber g'schen Fall VI. (1. c. p. 165),wo Waldeyer den Befund der chronisch entzündeten Knorpel erbracht hat. Soexclusiv kann man nicht sein, Entzündungen schlechtweg zu leugnen, wo •keineEiterdurchbrüche u. dergl. zu konstatiren sind.

Ein neues Moment von grösstem Interesse brachte Kehr er durch den Nach-weis über Schrägverschiebung durch Muskelzug. Es gelang ihm, an Kaninchendurch Amputationen einer Hinterextremität u. dergl. die schräge Verschiebung desBeckens experimentell zu erzielen. Da es sich hiebei nicht um Ankylosen handelte,so hat dies keinen Bezug zu der Aetiologie der ankylotischen, um so mehr aberWerth zur Erklärung der coxalgisch schräg verengten, resp. schräg verschobenenBecken.

Die Diagnose an der Lebenden kann bei der grossen Ver-schiedenheit der 2 Beckenseiten nicht schwer fallen, wenn man über-haupt an die Möglichkeit einer solchen Verengerung denkt. Es istganz begreiflich, dass die ersten Fälle, als das Vorkommen einerschrägen Verengerung gar nicht bekannt war, übersehen wurden. Aberseitdem ist die geschilderte Beckendeformität schon oft an der Lebendenerkannt worden.

Man muss an das Vorkommen solcher Verengerungendenken, so oft die Symptome der Greburtsverzögerung wegenengen Beckens gegeben sind und weder das Promontorium zufühlen, noch der Nachweis einer Querverengerung zu er-bringen ist. Auf das Hinken als Symptom ist kein Verlass, weilder Gang in vielen Fällen nichts auffallendes hat. Wichtig sind da-gegen Angaben über Unfälle, schwere Entzündungen, Eiterungen undDurchbrüche.

Die Messung muss die Entscheidung bringen, ob es sich um eineschräge Verengerung handle oder nicht.

Die Maasse, auf welche es hauptsächlich ankommt, sind die grossenschrägen Durchmesser, wie Nägele sie nannte:

1) Diameter obliqua, von einer Spina posterior superior einer zurSpina anterior superior der anderen Seite (normal 21—22 cmvon rechts hinten nach links vorn D. o. dextra).

2) Von der Spina posterior superior einer Seite zum Trochanterder anderen (22 ^4 cm).

3) Von jeder Spina posterior superior zum unteren Rand derSymphyse (17 1 /* cm).

4) Von der Spina posterior superior einer Seite zum Tuber ischii• der anderen (17 ^ cm).

5) Vom Processus spinosus des letzten Lendenwirbels zur Spinaanterior superior jeder Seite (18 cm).

J ) Vergl. Hüter, Klinik der Gelenkskrankheiten, p. 109 u. ff.