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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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402
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402 Das ankylotisch schräg verengte Becken.

die 3 oberen Kreuzwirbel fehlen, eine dem schräg verengten Becken „ähnliche"Formveränderung entsteht. Dies konnte Hohl auch an Becken neugeborenerKinder beobachten, ebenso Verschiebungen des Hüftbeines nach hinten und oben.Was aber in allen solchen Fällen fehlte, war die Ankylose der Synchondrosis'sacro-iliaca. Obwohl Hohl der Ansicht ist, dass die ursprüngliche Anlage dei -erste, ja fast der ausschliessliche Factor der schrägen Verengerung sei, leugnet erdie Entstehung der Ankylose durch Entzündung der Symphysis sacro-iliaca nicht.Ueberhaupt hat kein Anhänger des ursprünglichen Bildungsmangels die Ent-stehung durch Entzündungsankylose ganz geleugnet.

Betschier, E. Martin, S. Thomas u. a. waren in ihrer Meinung, dassgerade diese Entzündung die Schuld habe, viel exclusiver; sie anerkannten nurdie Entstehung durch Entzündungsankylose in der Synchondrosis sacro-iliaca.

Nimmt man eine Entzündung und Ankylosirung als Ursache an, so kannes sich nur um eine Entzündung in der Kindheit handeln. Nur diejenigeVernarbung des Hüftkreuzbeingelenkes, welche vor vollendetem Wachsthum eintritt,ist im Stande, einen Defect oder richtiger eine mangelhafte Ausbildung des Kreuz-beinflügels zu bedingen. Wenn Entzündungen das ausgewachsene Becken befallen,,ändern sie dessen Form nicht mehr. Solche scheinen sehr häufig vorzukommen,,denn wir haben eine Notiz von Creve (die Krankh. d. w. Beckens, Berlin 1795.p. 163), dass er beim Durchsuchen der Beinhäuser auf Kirchhöfen eine so grosseZahl von Becken mit Verwachsung des Hüft- und Kreuzbeines fand, dass er sie-meist im übrigen Schutt zurückliess. Auch Weidmann, Sömmering u. a. habendiese Häufigkeit der einseitigen Ankylosen bestätigt. Das ist durchaus erklärlich• und zeigt nur, dass die Verbildung des Beckens bei später auftretender Ankyloseausbleibt. Der Fall, welcher gern als später noch hinzukommende Schrägver-schiebung des Beckens gedeutet wird, der von S. Thomas (1. c. p. 38) erwähntereitende Bettler in Amsterdam, beweist gar nichts dafür. Das war ein junger, vonKindheit an gelähmter Mensch, der eine sehr starke Scoliose der Rücken- undLendenwirbelsäule, aber keine Ankylose der Symphysis sacro-iliaca hatte.

Litzmann hob hauptsächlich den Gegengrund gegen Ankylose als primäreUrsache der Schrägverengerung hervor, dass das kranke Hüftbein ganz ver-schoben zu sein pflege. Gerade die Ankylose befestige ja die 2 Knochen,Kreuzbein und Hüftbein, viel mehr aneinander, als sie sonst verbunden sind, undHesse, falls sie primärer Anlass wäre, eine Verschiebung gar nicht mehr zu. Alsokönne sie nicht primäre Ursache sein. Ich will hier nur das in der ErlangerSammlung befindliche, von Litzmann beschriebene Becken berücksichtigen, kannaber von diesem behaupten, dass an ihm die Verschiebung des rechten Hüftbeinessicherlich nicht stärker ist, als es durch Ankylose geschehen muss. DieVerwachsung betrifft die Gelenkflächen der Synchondrosis sacro-iliaca, es bildet sicheine Narbe, welche beide Knochen gleichsam ineinander presst. Es wird das Hüft-bein gegen das Kreuzbein herangezogen und dadurch not h wendiger weiseder freie hintere Hüftbeinkamrn im Vergleich zum gesunden nach rückwärtsund aufwärts dislocirt. Ich weiss recht gut, dass die Vorgänge nicht in einemactiven Ziehen, sondern in einer Hemmung beim Auswachsen bestehen. Aberdieser letztere Vorgang hat schliesslich dasselbe Ergebniss. Bei den stärker ver-schobenen Becken — es hat auch Hohl solche beschrieben, an denen aber dieAnkylose fehlte — ist gegen die Ansicht Litzmann's gar nichts einzuwenden, beisolchen muss, falls eine Ankylose besteht, dieselbe seeundär entstanden sein.

Die ganze Frage ist dadurch recht complicirt geworden, dass die Autorenfür diese Ankylosen ohne Bedenken einen Druck, also eine stärkereBelastung als ausreichende Ursache ansahen 1 ). Man stand damals voll-ständig unter der Lehre von der Entzündung durch Druck so sehr, dassHohl ohne Weiteres das Schnüren eines schwangeren Mädchens als die Ursacheannahm von Pseudomembranen, die sich vom Uterus aus spannten. Die patho-logischen Anschauungen haben in diesem Punkte vollkommen gewechselt. Bei

Litzmann 1. c. p. 6. 7. Crede, Meckel, Hohl vergl. daselbst.