404 Prognose und Therapie bei ankylotisch schräg verengtem. Becken.
Das von E. Martin angegebene Maass vom Processus spinosusdes genannten Wirbels zur Spina posterior süperior jeder Seite, also diedirecte Messung der Kreuzbeinflügel hat keinen practiscben Werth, weildie Differenzen sehr klein sind, hauptsächlich aber, weil durch Drehungder Wirbelsäule die Differenz überhaupt ausgeglichen werden kann.
Die grossen schrägen Maasse müssen für eine Seite constantgrösser ausfallen und muss die Differenz gegen die andere Seite mehrwie 1 cm betragen, wenn man danach ein schräg verengtes Beckendiagnosticiren will.
Die Frage, ob Ankylose der Synchondrosis sacro-iliaca bestehe,lässt sich nach W. A. Freund 1 ) dadurch erkennen, dass man perRectum die Synchondrosis aufsucht und die Schwangere sich bald aufdas eine, bald auf das andere Bein stellen lässt. Die nicht ankylosirtenHüftkreuzbeingelenke sollen eine leichte Verschiebung wahrnehmen lassen.
Einen bestimmten für solche Becken constanten Geburtsmecha-nismus gibt es nicht. Fast ebenso häufig als in den längeren, stelltsich die Pfeilnaht in den kürzeren Durchmesser ein. Ist die Verschmäle-rung der ankylotischen Seite sehr stark, so fällt dieselbe als Raum fürden Geburtsverlauf ganz weg und das Becken verhält sich wie ein all-gemein und zwar hochgradigst verengtes.
Die Prognose ist sicherlich für die massigen Grade nicht soschlecht, als die Zusammenstellung Litzmann's 2 ) ergab. Es verhältsich damit ähnlich wie mit den spondylolisthetischen Becken, wo neuer-dings durch Vermehrung der Beobachtungen auch manche bessere Er-fahrung gewonnen wurde. Litzmann's Zusammenstellung ergab auf28 Mütter 22mal Tod bei der ersten Geburt und davon 5 unentbunden,3mal bei der zweiten und 2, wohl mehr zufälligen Erkrankungen er-liegend , starben bei der 6. Geburt. Unter 41 Entbindungen hattennur 6 einen natürlichen Verlauf und zwar 5 bei der gleichen Person.Von den 41 Kindern kamen 10 lebend, 6 bei derselben Mutter, 2 durchKaiserschnitt.
Die Therapie. Alles kommt darauf an, ob der Kopf in denBeckeneingang sich einigermassen einsenkt. Ist dies der Fall,so lässt, falls Schwierigkeiten im Verlauf eintreten, sich ein Versuchmit der Zange machen. Vermögen kräftige Tractionen kein Tiefer-rücken zu bewirken, so perforirt man, wenn es geht, in der Zange.Es gelten darüber die allgemeinen Grundsätze.
Sehr schlecht ist die Aussicht, wo der Kopf in das Beckennicht eintreten kann. Hier ist die Gefahr der Uterusruptur oftüberraschend bald da. Solche Fälle indiciren den Kaiserschnitt undist nur hervorzuheben: nicht zu spät. Die Wendung ist dabei so langenoch zu machen, als der Uterus keine Dehnungszone hat. E. Martinschlug für den Fall einer Wendung die Einstellung des Kopfes in denlangen schrägen Durchmesser vor.
J ) A. f. G. Bd. III. p. 399.a ) M. f. G. Bd. 23. p. 274.