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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
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389
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Das spondyl-olisthetische Becken. 389

einem Becken die Spuren einer geheilten Fractur entdeckt hat (bei demeinen Becken von Chiari).

Im allgemeinen ist die traumatische also auch extrauterine Ur-sache der Spondyl-olisthesis für die meisten Fälle anzuerkennen. DieHydrorrhachis im Lendentheil ist die Folge der Erweiterung des Wirbel-kanales.

Die Anlässe sind Fall auf das Kreuzbein, besonders bei vornübergebeugtem Körper, Tragen und Aufheben schwerer Lasten bei starkerVorwärtskrümmung der Wirbelsäule. Doch hat F. L. Neugebauer inden neueren Publikationen auch eine congenitale Spondylo-lysis inter-articularis anerkannt, als Folge der ausgebliebenen Verschmelzung derbetreffenden Knochenkerne des Wirbelbogens. Was die Körperhaltunganbetrifft, so ist dieselbe anfangs und in den leichteren Fällen resp.geringeren Graden hinten übergestreckt, später gerade, aber steif, inden schwersten Fällen vornübergebeugt.

Ich konnte in einem Fall durch Abzählen der einzelnen Kreuz-beinwirbel von unten her den hereinragenden als fünften Lendenwirbelerkennen. In jüngster Zeit ist die veränderte Configuration des ganzenSkeletes und besonders das Eingesunkensein des Rumpfes zwischen dieSchenkel noch mehr betont worden (Olshausen, Neugebauer). Dieeigenthümliche Gangspur erwähnen wir in der Anmerkung. DiePrognose wurde unter dem Eindruck der bekannten schwersten Fälleder früheren Zeit als sehr schlecht bezeichnet. Allerdings wurde unterden früher bekannten neun hochgradigen Fällen 5mal der Kaiserschnitt,2mal die Perforation, 2mal die künstliche Frühgeburt gemacht. Aberdie spondyl-olisthetischen Becken kommen in den massigen Gradenhäufiger vor, als man früher gedacht hat, und geben dann je nach demGrad der Verengerung keine wesentlich schlechtere Prognose, als dierhachitisch platten Becken.

Historisches. Der Erste, welcher zwei spondyl-olisthetische Becken be-schrieb, war Rokitansky. Das eine wurde zufällig an der Leiche gefunden,das andere war das Becken von Späth. Der NameSpondyl-Olisthesis" rührtvon Kilian her, was dem Begriff nach so viel bedeutet alsLuxatio". SchonKilian bemerkte, dass es sich eigentlich nur um Verschiebung des 5. Lenden-wirbelkörpers handle, und Robert war der Erste, der auf die Erweiterung desWirbelringes ohne Aufgabe des Gelenkcontactes hinwies.

In sehr verdienstlicher Weise unternahm P. L. Neugebauer in verschie-denen Abhandlungen die Klarstellung der Aetiologie und führte unter die Merk-male noch die Gangspur (Ichnographie) ein. Solche Personen haben um der Ge-fahr des Vornüberfallens willen einen eigenthümlichen Gang mit kleinen Schritten(horizontale Gangart). Vergl. Neugebauer 1. c. p. 270. u. A. f. G. 19. p. 460.

Die Diagnose an der Lebenden wird gemacht durch dasFühlen der stark in das Becken vorspringenden Lendenwirbel-säule. Es kann sich dabei nur um eine durch Rhachitis erworbene,sehr starke Lendenwirbellordose (Pelvis obtecta simplex) oder Spondyl-olisthesis handeln. Das Abtasten und Abzählen der einzelnen Wirbeldes Kreuzbeines bei Seitenlagerung der Frau ist von besonderer Be-deutung. Erstens müssen, wenn der in das Becken hereingesunkene