Druckschrift 
Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
Entstehung
Seite
380
Einzelbild herunterladen
 

380 I> as allgemein gleiehmässig verengte Becken.

tis ausnahmsweise auch allgemein gleiehmässig verengteBecken.

Ein exquisit schönes Exemplar habe ich .bei einer kleinen Person gesehen,die Rhachitis hatte, erst mit fünf Jahren das Gehen lernte, aber keine Spuren vonKnochenverkrümmungen u. dergl. zurückbehielt und in die Erlanger Klinik zurHeilung einer nach schwerer Geburt entstandenen Blasenscheidenfistel eintrat.

Litzmann fand (p. 41), dass Becken dieser Art gelegentlichnicht nur die Verhältnisse des normalen weiblichen Beckens in ver-jüngtem Massstab geben, sondern oft noch Anklänge an die kindlicheForm zeigten. Daraus schloss Litzmann, dass die Knochenentwick-lung auf niedriger Stufe vorzeitig unterbrochen werde.

Endlich haben wir bei Cretinen und Halbcretinen das allgemeingleiehmässig verengte Becken recht häufig (P. Müller).

Wenn man bei einem allgemein gleiehmässig verengten Beckendavon spricht, dass es noch Anzeichen der kindlichen Form an sichtrage, so will man nach der oben gegebenen Characteristik damit be-zeichnen, dass das Kreuzbein gerader und schmäler sei, als es in Pro-portion zu den übrigen Knochen sein müsste, dass die Darmbeinschaufelnsteil stehen, nicht auseinander gelegt und geschweift seien, wie dies beinormaler Configuration der Fall ist.

Um einen Einblick zu geben, wie genau dieGleichmässigkeit" der Ver-engerung genommen werden kann, führe ich hier die Zahlen eines allgemeingleiehmässig verengten Beckens an, das in der Bonner Sammlung sich befindetund von Schröder in seinem Lehrbuch beschrieben ist:

-T) .. Verhältniss- Verhältnisszahl j-> ± Verhältnisszahl

zahlen. der Norm. "* der Norm.

Beckeneingang . . 9 cm (100) - 2 (11 cm = 100) IV/t (125) 2'/4 (122,7)Beckenhöhle ...11 (122) 1 3 /j (115,9) 1172(128) 1 (113,6)Beckenausgang. . 10'/< (113) V/t (104,5) 10 (111) 1 (100).Jedem, der die absoluten Maasse und die Verhältnisszahlen mit den Normal-maassen vergleicht, leuchtet es auf den ersten Blick ein, dass die Bezeichnunggleiehmässig" cum grano salis zu verstehen ist, dass aber vollends die Verhältniss-zahlen eher geeignet sind, das Unverhältnissmässige darzustellen. Noch müssenwir hinzufügen, dass die Differenzen gegenüber der Norm bei den einzelnen Becken,die man ausmisst, sehr stark schwanken, wenn man auch die Durchmesser desgrossen Beckens in den Vergleich hineinzieht.

Zur Diagnose an der Lebenden sind die sämmtlichen Durch-messer des kleinen Beckens (die C. v. ausgenommen), auf welche dietheoretische Forschung basirt, nicht zu verwerthen. Obschon anerkannter-massen das Verhältniss der Durchmesser des grossen Beckens zu denende"s kleinen ein schwankendes ist, muss man in praxi die Diagnose aufdie ersteren gründen. Man nimmt ein allgemein gleiehmässigverengtes Becken dann an, wenn die einzelnen Maasse nichtnormal gross sind, aber ziemlich das gewöhnliche Verhältnisszu einander haben. »

Historisches. Heinrich von Deventer kannte das allgemein ver-engte Becken und nannte es Pelvis nimis parva, im Gegensatz zum einfach plattenBecken, das er P. nimis plana hiess. Stein d. j. hat das Verdienst, die Kenntniss