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Lehrbuch der Geburtshülfe für Ärzte und Studierende
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372
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372 Di e Beckenlehre.

4) Der Gebärmutterkrebs wird bei der Geburt gefährlich durchdie Starrheit der Cervix uteri und des Muttermundes und durch dasräumliche Hinderniss.

Für die einzuschlagende Behandlung soll zunächst unterschiedenwerden, ob die Krankheit noch durch Radikaloperation heilbar ist odernicht. Im letzteren Fäll wird man in früher Zeit die ausgiebige Ent-fernung des Erkrankten vornehmen, ohne Bücksicht auf das Kind, alsoselbst wenn dadurch der Abortus eingeleitet würde. Ist das Kind ausge-tragen, so wird die Ausräumung gleicherweise unternommen, aber wennbei der Geburt trotz der Ausräumung Schwierigkeiten auftreten, sollendie zerstückelnden Operationen vermieden und besser der Kaiserschnittgemacht iverden.

5) Bei der Möglichkeit das Krebsgewebe radikal zu entfernen, iver-den in früherer Zeit Abortus und Totalexstirpation des zurückgebildeten

Uterus oder, wenn keine Zeit zu verlieren ist, die Totalexstirpation desschwangeren Uterus indicirt.

6) Die Ovarialkystome sind als Hindernisse weniger gefährlich,als die Myome, weil sie durch Function verkleinert werden können. Dafürkommt sehr leicht während der Schwangerschaft Stieldrehung und all-seitige Verwachsung, im Wochenbett Entzündung und Vereiterung hinzu.

7) Die Behandlung strebt mit- vollstem Recht die möglichst früh-zeitige Ovariotomie an, selbst mitten in der Schivangerschaft, und erreichtdamit, dass in der Regel nicht einmal die Schivangerschaft unterbrochen wird,die Kranken andererseits durch die ohnedies unvermeidliche Operationvollkommen gesund iverden.

Räumliche Hindernisse durch das Becken.

Die Beckenlehre.

Literatur.

Litzmann, C. Th.: Die Formen des Beckens. § 4. Berlin 1861. Dun-can, M.: Researclies in Obstetr. Edinburgh 1868. p. 78.u. ff. u. 95. Engel:"Wiener med. Wochenschr. 1872. Nr. 40. Kehrer: Beitr. z. vergl. u. experiment.Geburtsh. Heft 3 u. 5. Pehling: A. f. G. Bd. X. p. 1 u. Bd. XV. p. 256.Fasbender: Z. f. G. u. G. Bd. III. p. 297. Hennig: Arch. f. Anat. u. Phys.1880. - Schliephake: A. f. G. Bd. XX. p. 435. Brühl: A. f. G. Bd. 26.p. 88. Das Eindrücken des vorliegenden Kopfes in das verengte Becken.Litzmann: Die Geburt bei engem Becken. 738 Seiten. Leipzig 1884. Freund,*W. A.: Gynäkologische Klinik. Strassb. 1885. Ueber das sogenannte kyphotischeBecken, p. 1 u ff. Löhlein: Zur Beckenmessung. Z. f. G. u. G. Bd. XL Heft 1.- Eumpe: C. f. G. 1884. Nr. 46.

Die Erforschung der Ursachen und Vorgänge bei der Bildungder verschiedenen Formen des engen Beckens ist in den verflossenenDecennien das Lieblingsthema der Geburtshelfer gewesen und ist esnoch. Es ist ein überaus reichliches, wissenschaftliches Material, welchesdes Interessanten so viel bietet, dass die Gefahr für den Autor grossist, sich in Details zu verlieren, die kein practisches Interesse besitzen.