Die Momente der Ausbildung des normalen Beckens.
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Ich werde mir Mühe geben, den Rahmen eines Lehrbuches möglichsteinzuhalten und durch gedrängte Berücksichtigung der wissenschaftlichenSeite Raum zu behalten für die practisch so eminent wichtigen Be-ziehungen des engen Beckens.
Die Bildung des normalen Beckens.
Die Besprechung der Beckenverengerungen setzt unbedingt dieKenntniss der Grösse und der Formentwickelung des normalen Beckensvoraus. Es ist für das Verständniss und die Erklärung der pathologi-schen Formen unerlässlich, die Norm zu kennen.
Wenn wir hier ab ovo ausgehen, d. h. vom Becken des Neu-geborenen, so fallen schon recht interessante Verhältnisse auf. DieBecken der kleinen Mädchen zeigen in grosser Zahl einen Unterschiedvon dem der Knaben, und zwar im Allgemeinen gerade denselben Unter-
Fig. 134.
Fig. 135.
Sagittalschnitt vom Becken eines
neugeborenen Mädchens (nach
Fehling).
Sagittalschnitt eines erwachsenen
weiblichen Beckens, auf gleiche
Grösse wie Fig. 134 verkleinert.
schied, der in gleichem Sinn, nur in höherem Maass das Becken derErwachsenen verschieden gestaltet.
Der Schambogen ist beim neugeborenen Mädchen grösser, dasganze Becken niedriger und breiter als beim Knaben. Man hat biszu den werthvollen Untersuchungen Fehling's solche Verschieden-heiten nicht gekannt.
Gegenüber dem Becken des erwachsenen Weibes existiren jedochgrosse Unterschiede, so dass man nicht an ein blosses Auswachsen deseinmal gegebenen Typus denken kann. Die Wirbelsäule ist beim Neu-geborenen weniger gekrümmt, sie zeigt keine Lenden- und nur einegeringe Kreuzbeinkrümmung. Diese letztere aber ist fix, d. h. sie wirddurch verschiedene Lagerung des Kindes nicht verändert (zum Unter-schied der später sich bildenden Lendenkrümmung).