370 Verschiedenartige Tumoren als Geburtshindemisse.
Wahrscheinlich begünstigt die Schwangerschaft das Wachsen derKystome.
Die Behandlung ist in Rücksicht auf die hohen Gefahren des-Zusehens und auf die sehr guten Aussichten einer baldigen Ovariotomieweit entschiedener geworden: man macht möglichst bald nach Fest-stellung der Diagnose die Ovariotomie. Dieselbe gibt gute Re-sultate für die Mütter, allfällig entstandene Unterbrechungen der Gra-vidität verliefen ohne Beeinflussung der Reconvalescenz, ja es bliebin zahlreichen Fällen die Schwangerschaft unbehelligt. Die Punctionund die Frühgeburt dagegen sind von zu vorübergehendem Erfolg undauch zu gefährlich für den Zustand des Kystoms, als dass sie empfohlen,werden könnten.
Handelt es sich um Hülfe während der Geburt, so ist das ersteErforderniss, die Geburtswege frei zu machen durch eine Reposition,die natürlich nur in Narcose unternommen werden darf, oder äussersten-falls durch Punction. Ob man bei der Neuentbundenen, ohne den Effectdes Geburtstrauma abzuwarten, gleich die Ovariotomie anschliesse, odervorziehe, die Zeit der Wahl abzuwarten, lässt sich heute noch nichtendgültig entscheiden. Ich halte eine sofortige Entfernung für weitrichtiger, weil man nie zu bestimmen vermag, ob die Wöchnerinnenvon Entzündungserscheinungen frei bleiben. Es scheint, dass um derVerlagerung willen nicht gerade selten Placentarlösung nothwendigwird. (Lefholz und eigene Beobachtung.)
Die Diagnose kann erhebliche Schwierigkeiten machen. Esist vor allem wichtig, nach den objectiven Graviditätssymptomen zuforschen.
Anhangsweise erwähnen wir noch der verschiedenen seltenen Vorkommnisse,in denen Geschwülste aller Art, in den Beckenorganen entstanden, zu Geburts-hindernissen geführt haben. Da wir beim engen Becken der Knochengeschwülstebesonders gedenken werden, beschränken wir uns darauf, hier die beobachtetenGeburtshindernisse zu nennen: Fibroide der Scheide 1 ), wobei wiederholt derKaiserschnitt nothwendig wurde, Fibroide der Beckenwand 2 ), bleibender Callusluxurians nach Beckenfractur 3 ), ebenso chronische Coxitis mit Knochenauftreibung 4 ),Enchondrome der Synchondroses sacro-iliacae und Fibrome des Bandapparates s ),Schwangerschaft im rudimentären Nebenhorn ohne Communication mit der vor-gelagerten anderen Uterushälfte 6 ), Verlegung des Beckeneinganges durch ein ge-
a ) Kleinwächter, Zeitschr. f. Heilk. von Halla etc. Bd. IE. p. 335. Prag1882. Dort ist die ältere Literatur verzeichnet.
2 ) Vergl. Puchelt. 1. c. p. 205 Fälle von Drew und Bums, die Tumorenwurden exstirpirt und dadurch Platz geschaffen. Fall Coutouly mit Kaiserschnittref. Nägele, Lehrb. 1869. p. 697 f. Dohrn, Kaiserschnitt wegen Fibroids derhinteren Beckenwand, M. f. G. Bd. 29. p. 11. Kiwisch, Geburtsk. IL Abth. p. 192.Putegnat, Journ. d. med. de Bruxelles 26. April 1863. 2 Fälle.
3 ) Nägele-Grenser, Lehrb. Spiegelberg. Filippo Carli Bull, scient. med.1863. XX. 76. Corradi. Nr. 104.
4 ) Hecker, Arch. f. Gyn. Bd. XVIII. 1.
5 ) Stadfeldt, Obstetr. Journ. of Great-Britain. Juli 1879.
6 ) Litzmann, publ. von Werth. A. f. G. Bd. XVII. p. 281.