Kystorna ovarii als Geburtshinderniss. 369
Kind richtiger, zu dessen Gunsten die Sectio caesarea zu machen, alseine mühsame und stark lädirende Perforation zu unternehmen.
Cohnstein 1 ) fand in einer statistischen Zusammenstellung die Mortalität•der (carcinomatösen) Mütter in der Geburt und im Wochenbett von 57,1 °/o un ddie der Kinder 36,2 %• Wiener: Carcinoma ut. bei Schwangeren. Breslauer ärztl.Zeitschr. 1880. Bd. II.jp. 37—39. 49.
c) Die Ovarialkystome.
Wir können die Gefahren, welche Ovarialkystome einer Schwangerenbereiten, als dreierlei Art bezeichnen: entweder 1) die Grösse und dasWachsthum des Tumors wird dem Uterus den Raum in der Bauchhöhleverengen oder 2) das Kystom sitzt tief im Becken, ist verwachsen oderintraligamentär, dann versperrt es dem Kind die Geburtswege und end-lich 3) es entsteht, nachdem der Tumor weder in der einen oder an-deren Weise gefährlich wurde, eine Ruptur während der Geburt oderEntzündung, Vereiterung und Verjauchung des Kystoms im Wochenbett.
Die Beengung des Bauchraumes führt zu Abortus, wenn Graviditätzu einem recht grossen Kystom hinzukommt und das letztere Lage-veränderungen, z. B. Retroversio uteri u. dergl. bedingt.
Was die Raumbeschränkung im kleinen Becken betrifft, so ist esnur da ernstlich, wo die Geschwülste absolut irreponibel und nicht zuverkleinern sind, was nur recht selten zusammentreffen wird. Sind siedurch Punction oder durch Incision zu verkleinern, so muss die Geburtselbstredend auf natürlichem Wege vollendet werden. Das weitere Ver-halten in Rücksicht auf den Tumor hängt von den danach folgendenErscheinungen ab. Ovarialtumoren, die absolut unbeweglich und vondicken Convoluten kleiner Cysten mit zähem Inhalt erfüllt sind, Der-moide u. s. w. — bilden je nach ihrer Ausdehnung ein ebenso bedenk-liches Geburtshinderniss als entsprechend sitzende Knochengeschwülste,die allesammt nach dem Grad der Raumbeschränkung und dem Sitz be-urtheilt werden müssen. Es wurden Fälle ausgegeben, in denen derKindeskopf den Tumor vor sich her durch die Scheidenwand trieb 2 ),wobei die Eierstocksgeschwulst während oder nach der Geburt aus einemScheidenriss zu Tage trat 3 ).
Was die eigentliche Raumbeschränkung für die Geburt anbetrifft,so müssen viele ungünstige Momente zusammentreffen, um grosse Ge-fahr zu bedingen 4 ). Die Hauptlebensgefahr liegt in der über-mässigen Ausdehnung des Unterleibes und in der Ruptur,oder der Entzündung der Geschwülste im Wochenbett.
») A. f. G. Bd. V. p. 366.
2 ) Dünn, Virginia med. monthly Journ. Dec. 1874. p. 39.
3 ) Berry, London obstetr. Tr. VIII. p. 261. und Luschka, M. f. G. Bd. 27.p. 267. und Härting ber. von Lomer, A. f. G. Bd. XIX. p. 315.
4 ) Godefroy und Lahs machten unter solchen Verhältnissen den Kaiser-schnitt. (G.) Gaz. obstetr. de Paris 20. Oct. 1875. p. 310. und (L.) Deutsche med.Wochenschr. 1878. Nr. 5. Merriman und Baudeloque sahen sich zur Einbryo-tomie gezwungen.
Zweifel, Geburtshülfe. s. Aufl. 24